„Ja, eine sitzt drinnen, die wird bald einen andern heiraten.“
„Hach!“ schrie Kasperle, „ich weiß, wer es ist: Rosemarie.“
„Ja, die Gräfin Rosemarie.“ Michele seufzte schwer. Und dann erzählte er, wie er die schöne Gräfin Rosemarie am Fürstenhofe gesehen habe, und er habe sie gar nicht anzusprechen gewagt. Aber da habe sie ihn auf einmal leise gefragt: „Ist Herr Michael, der berühmte Geiger, nicht des Kasperles Michele?“
Da waren sie vertraut mitsammen geworden. Er hatte ihr vom
Waldhaus erzählen müssen und von Kasperle, und sie waren beide glücklich mitsammen gewesen. Auf einmal aber sei der Herzog August Erasmus gekommen, mit ihm der Graf von Singerlingen, und da sei eins, zwei, drei Verlobung gefeiert worden, und in vier Wochen sollte Hochzeit sein. Michele aber hatte die schöne Gräfin Rosemarie nur noch einmal gesehen, da hatte er gespielt, und sie hatte dagesessen und die Tränen waren in ihren Schoß gefallen.
„Seitdem weint meine Geige immer, wenn ich spiele,“ sagte Michele, „und viele Menschen weinen mit. Das kommt, weil ihr Herr Severin eine so zarte Seele gegeben hat.“
„Ich geh’ als Gespenst zum Herzog,“ kreischte Kasperle. Er trommelte wütend auf der Bettdecke herum.
Michele aber erwiderte: „Kasperle, das hilft nichts. Die schöne Rosemarie wird Frau Gräfin von Singerlingen, und ich muß einsam bleiben mit meinem traurigen Herzen.“
Kasperle schluchzte laut. Der Freund tat ihm zu leid, und er sagte: „Michele, ich helf’ dir.“