„Wie denn, Kasperle?“

Ja, wie denn? Wenn Kasperle das nur gleich gewußt hätte! „Ich entführe Rosemarie,“ schrie er endlich.

„Da mußt du erst ins Schloß gelangen, und das ist schwer. Da gibt es viele Wächter und Hunde, an denen du vorbei mußt. Und jetzt läßt der Herzog sogar noch überall Kasperles aufstellen, die aussehen wie du, überall an Weg und Pfad, auf Grenzsteinen, an Schlagbäumen setzt er Kasperlepuppen hin, darunter steht: ‚Wer einen, der lebendig ist und so aussieht, fängt, der bekommt hunderttausend Taler.‘“

„Huuuh!“ Kasperle riß nun aber seinen Mund sperrangelweit auf. „Das ist zuviel!“ schrie er.

„Ja, viel ist’s schon, und du kannst dir denken, wie arg alle Leute aufpassen, um dich zu fangen.“

Kasperle nickte trübselig. Das war nun arg schlimm! Er dachte, daß neulich der böse Bäcker aus Protzendorf am Waldhaus vorbeigefahren war und gerufen hatte: „Komm mit, Kasperle, ich fahr’ dich ein Stück!“ Ja, und beinahe wäre er der Einladung gefolgt. O jemine, da wäre er bös hereingefallen!

„Aber woher hat der Herzog denn alle Kasperles?“ fragte er plötzlich.

„Die hat der gute Meister Friedolin selbst geschnitzt.“ Michele streichelte seinen kleinen Freund. „Alle Kasperlemänner haben bei ihm neue Puppen bestellt; die hat ihnen dann der Herzog für viel, viel Geld abgekauft.“

„Ich bleib’ im Waldhaus und gehe keinen Schritt mehr raus,“ rief Kasperle ängstlich.

„Ja, das tu nur!“