„Aber Rosemarie!“ Auf einmal fiel die dem Kasperle wieder ein, er rief: „Ich helfe dir.“
„Ach, mir kann niemand helfen!“ klagte Michele. „Und meine Geige wird immer, immer weinen müssen.“
„Nä,“ schrie Kasperle, „ich helfe dir, ich weiß noch nicht wie, aber über Nacht ist’s gedacht.“
Und dann stieg Kasperle in sein Bett, denn allemal, wenn er über etwas nachdenken wollte, fand er es am besten, im Bett zu liegen oder draußen unter einer der großen, uralten Tannen. Viel dachte das Kasperle ja gerade nicht nach. Wenn es sagte: „Ich will’s mir überlegen,“ und im Bett lag, dann rasselte das nachher gleich fürchterlich: das Kasperle schlief und schnarchte.
An diesem Abend aber blieb es still im Bubenstübchen, in dem nun auch wieder der berühmte Geiger Michael lag. Der seufzte manchmal tief, und dann steckte Kasperle seine Nase tief, tief in die Kissen hinein und seufzte auch.
Und der Mond schüttete seine silbernen Strahlen in die kleine Kammer. Ach, hätten darauf doch lauter gute und absonderlich kluge Einfälle gesessen! Wunderbar war es aber, immer wenn der Mond so recht hell schien, dann meinte Kasperle ein weißes Haus zu sehen, einen Garten mit bunten Blumen, und in dem Garten saß er, sah froh zu dem Hause hin und dachte: Endlich bin ich daheim! Und dann kamen etliche Kasperlebuben und Kasperlemädels angehüpft, die riefen: „Endlich bist du wieder auf unserer Insel!“
Wie sonderbar das war! Auch heute sah Kasperle das weiße Haus und den bunten Garten vor sich, und dabei lag er doch im Bett und dachte darüber nach, wie er dem Michele helfen könnte.
Kasperle schlug die Augen wieder auf. Der Mond sah noch immer in das Kammerfenster hinein, er lachte ordentlich. Und auf einmal, er wußte kaum, wie es geschehen, stieg Kasperle leise, leise aus dem Bett, kletterte auf das Fenster, kletterte hinaus, schwang sich draußen auf das Dach, und da saß er im vollen Mondenlicht auf dem Dach des Waldhauses.
Wie schön das war! Licht floß an den hohen Tannen herab,
glitzerte unten auf der Waldwiese, und die Bäume rauschten geheimnisvoll. Und wie Kasperle so saß und in den Wald hineinsah, blickte er auch die drei Wege entlang, die von den Dörfern Lindendorf, Schönau und Protzendorf nach dem Waldhaus führten.