Auf einmal entdeckte der Wanderbursch die schöne Rosemarie, und er fragte mitleidig: „Warum weint Ihr, schönes Fräulein?“

„Weil mir das Herz weh tut,“ antwortete Rosemarie. „Aber sage, wohin ziehst du? Wo ist das Haus im Walde, und was für eine Bitte wirst du dort sagen?“

„Ei,“ erwiderte der Wanderbursch, „mir tut’s arg leid, daß Euch das Herz weh tut, schöne Gräfin! Aber wartet nur, ich werde kommen und Euch helfen. Ich ziehe ins Waldhaus, das liegt hinter dem Herzogtum; dort wohnt der Meister Severin, der kann allen Instrumenten eine Seele geben, zu dem will ich meine Fiedel bringen. Und der Herr Michael ist dort, der der allerberühmteste Geiger ist, den will ich bitten, er soll mir zeigen, wie man so wunderschön spielt. Und dann komme ich zurück und spiele Euch etwas vor; da werdet Ihr froh werden und wieder lachen.“

Rosemarie seufzte nur bei diesen Worten, und sie fing noch bitterlicher zu weinen an. Dem Wanderburschen tat sie arg leid, und er dachte: Ich will flink laufen, damit meine Fiedel eine Seele bekommt und ich die arme schöne Rosemarie recht trösten kann.

Und er rannte spornstreichs davon, um nur ja recht schnell in das Waldhaus zu kommen.

In seinem Eifer sah der Wanderbursch gar nicht, daß die schöne Gräfin Rosemarie nur noch bitterlicher weinte. Er lief wie ein Hase, und als er auf der Landstraße eine schnelle Post fahren sah, sprang er hinten auf und dachte: So komme ich gewiß heute noch ins Waldhaus.

Ein bißchen länger dauerte es aber doch. Die Post hielt sehr lange an einem Wirtshaus, und erst am zweiten Tag kam er nach Protzendorf. Dort fragte er den ersten besten, der ihm begegnete, nach dem Weg, der zum Waldhaus führe. Das war nun gerade der Schäfer Damian. Der schrie gleich los: „Ich leid’s net, ich hab’s versprochen, das Kasperle zu beschützen.“ Und er hob drohend seinen langen Schäferstab gegen den Wanderbursch.

Der dachte: Ei, bei dem Schäfer scheint’s nicht richtig zu sein! Und weil er keinen so langen Stock hatte, lief er flink davon.

So kam er schneller an die Grenze, als Damian dachte. Und weil er gerade im Laufen war, lief er auch an der Schildwache vorbei, ehe die sich noch recht besonnen hatte, wer wohl der Wanderer sein könnte.

Nachher rief der Landjäger, der Wache stand, flink einen zweiten aus dem Häuschen heraus, und alle beide schrien: „Hollahe, nicht davonlaufen!“ aber da war der Wanderbursch schon am Waldhaus.