Der Wächter mußte nun erzählen, wie er den Brief gefunden hatte, und er sagte: „Er ist gewißlich von Kasperle; der Bauer Strohkopf sagt’s auch.“

„Dummkopf!“ brummte der Herzog, der es unschicklich fand, in seiner Gegenwart von einem Bauern zu reden, der Strohkopf hieß.

„Strohkopf heißt er, halten zu Gnaden!“ Der Wächter dachte, der Herzog habe ihn nicht richtig verstanden. Da rief der wieder ärgerlich: „Dummkopf!“

„Strohkopf, halten zu Gnaden!“ Puff, stieß ein Kammerherr den Wächter an, er solle stille sein.

„Esel!“ schrie der Herzog. „Geh er hinaus! Ich muß mich mit meinem ersten Minister beraten, was ich tun soll.“

Da rannte der Wächter hinaus und schrie schon an der Türe: „Der Herr Minister soll zum Herzog kommen!“

„Esel!“ brüllte der Herzog.

„Der Herr Minister Esel soll zum Herzog kommen!“ brüllte der Wächter, der nicht anders meinte, als dies sei der Name des Ministers. Er selbst hielt sich für so klug, daß er nicht dachte, jemand, selbst ein Herzog, könnte ihn Dummkopf oder Esel schelten.

Der gute Minister aber wollte gerade in sein Bett steigen, als sich draußen das Geschrei erhob. Er erschrak darob so sehr, daß er wieder aus seinem Bette herausfiel und in der Verwirrung seinen Rock als Hose nahm und die Hose als Jacke anziehen wollte. Zuletzt kam er aber doch in seine Sachen, er ging in des Herzogs Zimmer, und der hielt ihm Kasperles Brief hin.

„Ich will das Kasperle haben,“ rief der Herzog. „Meinetwegen mag die Gräfin Rosemarie in acht Tagen den Geiger Michael heiraten.“