und rief: „Nein, seht doch einmal diese Grenzwächter! Da haben sie diesen dicken Brief über die Grenze geworfen, als ich vorhin spazierenging, mir gerade vor die Füße.“
Alle guten Geister, bekam Kasperle einen Schreck! Er versank mit seinem Gesicht ganz in der Milchtasse und heulte in die hinein: „Das ist für mich, für mich!“
Herr Severin schüttelte erstaunt den Kopf über Kasperles wunderliches Gebaren, und auch alle andern schüttelten die Köpfe, dann aber wickelte Herr Severin das Päckchen aus; ein großer, feierlicher Brief, mit dem herzoglichen Siegel versehen, kam zum Vorschein und darauf stand: „An Kasperle.“
Potztausend! Meister Friedolin fiel das Schnitzmesser aus der Hand vor Erstaunen, und alle sahen auf das heulende Kasperle. Selbst Michele dachte: Er hat gewiß an der Grenze einen dummen Streich gemacht.
Herr Severin fragte ganz ernsthaft: „Kasperle, was hast du getan?“
„Hach!“ Kasperle schluchzte erschrecklich. „Ich hab’ dem Herzog einen Brief geschribbt!“
„Du — Kasperle?“
„Hm, hach, mein Bäuchle tut wieder so weh!“
Dem Kasperle tat wieder vor Angst sein Herze weh, und er hielt das wieder für sein Bäuchle. Ganz matt deutete er auf den Brief und nickte Herrn Severin zu. Der dachte: Gewiß will er sagen, ich soll den Brief lesen. Er öffnete ihn also und las.
Da staunten sie nun freilich alle sehr im Waldhaus, Michele aber nahm seinen kleinen Freund in die Arme und sagte traurig: „Nein, nein, armes Kasperle, ein so schweres Opfer sollst du nicht für mich bringen.“