„Kasperle, ach Kasperle, du willst uns verlassen?“ rief die schöne Frau Liebetraut traurig. „Das darfst du nicht.“
„Er muß,“ sagte plötzlich Meister Friedolin. „Versprochen
ist versprochen, und wenn jetzt Kasperle dem Herzog sein Wort nicht hält, dann geht es uns noch allen schlecht im Waldhaus.“
„Ja, er muß gehen.“ Herr Severin sah auch ganz traurig aus und doch wieder froh, denn er freute sich, daß sein Lieblingsschüler Michael nun die schöne Gräfin Rosemarie heiraten sollte.
So ging es schließlich allen. Sie waren alle traurig und freuten sich alle, am sonderbarsten aber war es dem Michele zumute, der hätte lachen und weinen mögen, und zuletzt nahm er seine Geige und spielte so schön wie noch nie. Das tönte in den Wald hinaus wie Engelsgesang, und alle Tiere, die das Spiel hörten, kamen gelaufen und lauschten. Da kamen Rehe und Hasen, der fette Dachs kam angetrabt, Mäuslein huschten herbei, das Eichhörnchen sprang von Baum zu Baum, die Vögel flogen um das Haus, und zuletzt guckte sogar der Fuchs um die Ecke.
Als Michele sein Spiel geendet hatte, sagte Meister Friedolin: „Nun ist’s Zeit; jetzt müßt ihr marschieren, denn sonst denkt der Herzog, ihr kommt nicht, und die Gräfin Rosemarie muß gar den Grafen von Singerlingen heiraten.“
Meister Friedolin hatte schon recht, aber der Abschied wurde doch allen sehr schwer. Michele konnte freilich versprechen, er werde mit seiner Frau bald alle im Waldhaus besuchen, aber Kasperle konnte das nicht. Der gehörte dann ganz und gar dem Herzog. „Vielleicht sagt er bald: ‚Geh zum Teufel!‘“ meinte er, aber dazu schüttelte Herr Severin den Kopf. „So ein Wort spricht ein Herzog nicht aus, dazu ist er viel zu vornehm. Du warst dumm, kleines Kasperle, du hättest dir etwas anderes ausdenken sollen.“
Kasperle hing die Nase, er wollte zwar Michele nicht zeigen, wie traurig er war, aber Michele merkte es doch, und als sie beide reisefertig waren, fragte er traurig: „Wirst du es auch nicht zu arg bereuen, mein armes Kasperle?“
Heidi, da rannte das Kasperle davon! Es nahm nicht einmal recht Abschied, das brachte es vor lauter Herzeleid nicht fertig. Es
rannte und rannte, Michele konnte ihm kaum folgen, und auf einmal waren sie an der Grenze und jenseits standen die beiden Landjäger. Die schrien: „Hurra, sie kommen, hurra!“