„Hm!“ Kasperle seufzte, schwang ein Beinchen über die Brüstung und fragte trübselig: „Ihr denkt nun wohl, ich werde kaspern?“

„Ja,“ schrien die Kinder, und ein paar Ungeduldige drängten: „Fang doch an, sonst müssen wir zum Abendbrot nach Hause!“ Es war aber erst drei Uhr nachmittags, und das Kasperle lachte etwas. „Abwarten und Tee trinken!“ rief es. „Erst muß ich euch eine Geschichte erzählen. Wollt ihr sie wissen?“

„Ja, ja,“ ertönte es von unten herauf.

„Na, dann paßt mal auf! Glaubt ihr, daß ich lebendig bin?“

Die Kinder lachten, ein paar kleine sagten schüchtern ja, die größeren aber riefen alle: „Nä, du bist von Holz“ — „Von Blech,“ rief sogar ein Mädel.

„So,“ brummte Kasperle, „na, das glaube ich doch nicht!“ Dabei schlug er mit seinen hölzernen Armen und Beinen an die Bretterwand des Budchens. Es krachte laut, und die Kinder schrien alle: „Das klingt wie Holz, du bist von Holz.“

„So, gut, also ich bin von Holz. Es gibt aber ein ganz putzlebendiges Kasperle, glaubt ihr das?“

„Nä,“ brüllten wieder die Kinder, „so was gibt’s nicht.“

„Doch, so etwas gibt’s, und das Kasperle sieht aus wie ich, nur ist es viel, viel größer, so groß wie der da.“ Und Kasperle streckte seinen Holzarm aus und zeigte auf Gottfried Schlippermilch, der etwa acht Jahre alt war.

„Nä,“ schrie Gottfried entrüstet, „das ist nicht wahr! Ich bin nicht wie ’n Kasperle.“