Das mit dem Wagen war aber nur ein bißchen geflunkert von dem dicken Bauer. Er dachte nämlich: Kasperle soll uns heute Abend noch etwas vorkaspern. Das tat der kleine Schelm auch, und es gab in dem großen Bauernhofe einen lustigen Abend. Es lachten alle so viel, daß Kasperle darüber den Abschied vom Waldhaus beinahe vergaß. Aber als alle schliefen und der Mond schien, da wurde er wieder ganz traurig, er kletterte auf das Fensterbrett und
sah lange, lange auf das stille Dorf hinab. Er dachte: Wenn der Herzog doch nur sagen wollte: „Geh zum Teufel!“ aber ach, Herr Severin hatte ja gesagt, so etwas spricht ein Herzog nicht aus.
Wie Kasperle so saß und den Mond unter sich auf dem Dorfbächlein glitzern sah, hörte er auf einmal eine liebe, linde Stimme, die sang:
„Nur net verzagt!
Bald der Morgen tagt.
Zum guten End’
sich alles wend’t.
Mußt net greinen,
Mußt net weinen!
Auf Gott vertrau’,
Zum Himmel schau’!“
Da tat Kasperle wirklich, was die Stimme riet, schaute zum Himmel auf, und dabei sah er am Fenster über sich ein Mägdlein stehen, das war die Sängerin. Die erblickte nun auch das Kasperle auf der Fensterbrüstung, und sie rief sacht hinab: „Geh doch schlafen, kleines Kasperle!“
„Kann net,“ murmelte Kasperle, und dann kletterte er flugs am Weinspalier hoch und saß auf einmal auf dem Kammerfenster der Magd. Die lachte. „Ei,“ fragte sie, „du Schelm, du willst wohl wieder ausreißen?“ Aber als sie sah, wie dem Kasperle dicke, dicke Tränen über sein unnützes Gesichtlein liefen, fragte sie sanft: „Was fehlt dir denn, armes Kasperle?“
Kasperle seufzte schwer: „Hach, hach!“ und dann verriet er der Magd seinen Kummer. „Wenn der Herzog net sagt: ‚Geh zum Teufel!‘ muß ich bei ihm bleiben,“ jammerte er.
„Ei, weißt du was, ein schöner Spruch ist das nicht!“ erwiderte die Magd, „und ein Herzog wird so etwas freilich net sagen, der denkt gar nicht an solche Worte. Aber weißt du, mir hat meine Großmutter einmal erzählt, ihre Urgroßmutter habe ein Mittel
gewußt, daß ein Mensch sagen mußte, was sie wollte, hab’s freilich nie ausprobiert, und meine Großmutter hat’s auch nie ausprobiert, aber verraten will ich’s dir. Du mußt um Mitternacht, wenn der Vollmond scheint, den Herzog an der großen Zehe fassen und sagen: ‚Geh zum Teufel!‘ dann sagt er’s dir flink nach.“ Sie lachte herzhaft, während sie dies sagte.
Nun merkte Kasperle, die Magd war trotz ihres lieblichen Singens eine arme Schelmin, aber sie erreichte, was sie wollte: das Kasperle vergaß das Weinen, wurde ganz getrost und kletterte zuletzt purzelvergnügt in sein Bett.