Kasperle hatte sich ganz zusammengekauert. Im Waldhaus bleiben dürfen, wie schön wäre das! Aber da fiel ihm Rosemarie ein, die dann den alten Grafen von Singerlingen heiraten mußte, und er dachte an seines Michele Geige, die immer weinte, wenn er spielte, und er sagte ganz, ganz leise: „Ich will zum Herzog.“
„Wir wollen Kasperle, Kasperle soll wiederkommen!“ schrien draußen die Landjäger und etliche Protzendorfer, dazwischen aber brüllten zwei: „Nä, er soll heeme bleiben!“
Das waren Wassergustel und Windgustel, die ihren einstigen Freund noch immer gern hatten und auch dachten wie Damian, er wäre geraubt worden.
Kasperle saß noch immer mitten in der Stube. Er war nämlich ein bißchen müde von dem Laufen, auch war ihm der Schreck in seine kleinen Beine gefahren. Er dachte bei sich: Wer mich hergetragen hat, mag mich auch zurückbringen. Und überhaupt — zu einem Herzog läuft man nicht, da fährt man. Er erhob also plötzlich
seine Stimme und schrie, so laut er konnte: „Ich will ’n Wagen, ich will zum Herzog fahren!“
„Da hat er recht,“ brummte draußen der dicke Bauer Strohkopf, der als letzter dahergekommen war. „Und ’n Kutschwagen muß es sein, anders geht das nicht.“ In ganz Protzendorf aber hatte nur er einen Kutschwagen, in dem er freilich nie fuhr, weil er ihm zu schön war. Doch nun dachte er: Wenn der Herzog hört, daß ich, der Bauer Strohkopf, meinen Wagen hergegeben habe, dann kriege ich sicher einen Orden. Also rief er: „Recht hat Kasperle, und obgleich er mich mal schwer geärgert hat, soll er doch einen Wagen bekommen. Darin kann er gleich bis zu dem Schloß der Gräfin Rosemarie fahren.“
Alle staunten den dicken Bauer ehrfurchtsvoll an, und der sagte: „Na, dann los! Jetzt müssen wir erst nach Protzendorf gehen, dort laß ich anspannen.“
„Nä,“ schrie Kasperle, „ich war schon dort; au, au, ich bin so müde!“
Es half alles nichts, Damian ohne Maul mußte den kleinen Strick wieder nach Protzendorf zurücktragen, und als sie dort ankamen, sagte der Bauer, sie müßten aber bis morgen früh warten, denn sein schöner Wagen dürfe nur am Tage gefahren werden. Und morgen sollten die beiden doch schon auf dem Schloß sein. Da aber der Herzog keine Zeit angegeben hatte, konnten sie ja auch am Abend ankommen, und darum sagte der Geiger Michael, sie wollten bis zum Sonnenaufgang warten.