„Kasperle kommt, Kasperle kommt!“ schrien alle, und selbst der Herzog vergaß den armen Grafen von Singerlingen und eilte hinaus. Ganz verdutzt sah sich der Graf von Singerlingen um, Niemand begrüßte ihn, niemand rief hurra, und dabei sollte doch morgen seine Hochzeit sein.

„Trarira, trarira!“ Eine große, schwerfällige Kutsche fuhr

in den Schloßhof ein, und alles schrie wieder: „Kasperle, hurra, Kasperle! Da ist er!“

Es war aber nicht Kasperle, sondern die Prinzessin Gundolfine, die eiligst gekommen war, um den Grafen von Singerlingen zu heiraten.

Die Prinzessin war gar nicht sehr sanftmütig, und als alle „Kasperle“ und immer wieder „Kasperle“ schrien, rief sie: „Zum Kuckuck, was ist das für ein Gerufe hier! Ich bin eine Prinzessin und im Leben kein Kasperle! Das ist eine Beleidigung! Und wo ist der Graf von Singerlingen, daß ich ihn heiraten kann? Gleich will ich ihn sehen.“

Der Herzog erschrak, der Graf erschrak, denn er wußte noch gar nicht, daß er die Prinzessin heiraten sollte, und Rosemarie wurde wieder so blaß wie die Rosen auf der Mutter Grab. Die Kammerfrau rief wieder: „Das ist eine Ohnmacht.“ Die Prinzessin aber sagte: „So was gibt’s nicht; wenn ich komme, wird man nicht ohnmächtig, her mit dem Grafen, den ich heiraten soll!“

Da rief der Kammerdiener des Grafen von Singerlingen: „Jetzt wird mein Graf ohnmächtig, er ist schon unter die Bank gefallen.“

Der gute Graf aber war gar nicht ohnmächtig geworden, der war von selbst unter die Bank in der weiten Schloßhalle gerutscht. Er war so über die Prinzessin erschrocken, die hatte eine Stimme, als säße sie tief unten in einem Brunnenloch, und mit ihren Augen spießte sie den Grafen beinahe auf. Nein, so eine Prinzessin wollte er nicht!

Wieder klang das „Trarira, trarira!“ auf der Landstraße, und wieder riefen alle: „Kasperle kommt!“

Aber es waren Hochzeitsgäste, der Schwager und die Schwester der jungen Gräfin Rosemarie. Die fragten gleich: „Wo ist denn der Graf von Singerlingen, den du heiraten sollst?“