Rosemarie aber saß an ihrem Fenster und weinte vor lauter Glück. Sie wand sich selbst ein grünes Kränzlein, das wollte sie morgen tragen, und sie dachte: Nun werde ich so glücklich wie die schöne Liebetraut im Waldhaus.

Dann verstummte die Geige, es wurde still im Schloß, und der Mond, der zwar schon ein etwas schiefes Gesicht hatte, kam hinter den hohen, alten Ulmen hervor und sah neugierig in alle Zimmer hinein. Er sah Michele am Fenster sitzen und von glücklichen Tagen träumen, er sah Rosemarie noch immer an ihrem grünen Kränzlein winden, und er sah — ja, was sah der Mond einmal wieder! Das Kasperle sah er im Freien herumspazieren. Das hatte wieder einen Weg hinaus gefunden. Ganz, ganz leise war es aus dem Zimmer geschlüpft, selbst Michele hatte den Strick nicht gehört. Und dann war er auf dem Treppengeländer hinuntergerutscht, das ging schnell und leise, und war durch ein offenes Fenster in den Garten hinausgestiegen. In dem ging er auf und ab. Er sah den Mond die

Rosen sachte streicheln, er hörte die Bäume rauschen und — da rief jemand erschrocken: „Oho!“

Kasperle war beinahe über den Grafen von Singerlingen gefallen.

„Bums!“ schrie er erschrocken.

„Na nu, wer rennt denn da herum?“ fragte der Graf.

„Ich bin’s!“

„Ei, potz Wetter, Kasperle! Du willst wohl gar schon wieder ausreißen?“

„Nä!“ Kasperle seufzte tief.

Der Graf von Singerlingen seufzte noch tiefer. Endlich, sagte er: „Kasperle, was hast du angerichtet!“