Kasperle senkte tief seine Nase. „Ich kann doch nichts dafür! Warum ist der Herzog ins Wasser gefallen!“ murmelte er.

„Jemine, du Dummkopf! Das meine ich doch nicht. Aber ich muß nun eine Prinzessin heiraten, weil dein Michele die schöne Gräfin Rosemarie bekommt.“

„Ist das schlimm?“ fragte Kasperle verdutzt. „Ich denke, das ist fein.“

Die Prinzessin heiraten, ist schlimm!“ Der Graf von Singerlingen sah so traurig aus, daß Kasperle tiefes Mitleid mit ihm fühlte. Er hatte die Prinzessin gar nicht angesehen, und er fragte zutraulich: „Wie sieht se denn aus?“

„Schrecklich, wie — Gift!“ Der Graf ächzte, und Kasperle blickte ängstlich zum Schlosse hin. Vor der Prinzessin begann er sich zu fürchten. „Wo wohnt se denn?“

„Dort, das dritte Fenster, das offen steht.“

Sssim, ssim! huschten die Fledermäuse auf und ab an den beiden vorbei. Ein paar flogen ganz dicht heran und klapp, da hatte Kasperle zwei in seinem Mützlein gefangen. „Die laß ich in ihr Zimmer,“ flüsterte er dem Grafen von Singerlingen zu, „vielleicht reißt sie aus.“

„Unsinn,“ wollte der Graf sagen, „bleib hier!“ aber da war das Kasperle schon weggeflitzt.

Efeu wuchs am Schloß empor, da war es für Kasperle kein schweres Klettern. Er war eins, zwei, drei oben und ssim! huschten die Fledermäuse in das Zimmer der Prinzessin.

Die war noch wach, beschaute sich gerade den Hochzeitsstaat für den nächsten Tag, als ihr eine Fledermaus an der Nase vorbeischwirrte, eine andere fuhr ihr ins Haar, und durch die Abendstille tönte das Geschrei der Prinzessin.