Das ganze Schloß wurde davon munter, selbst der Herzog wachte auf. Er fragte ärgerlich, was denn geschehen sei. Als man ihm sagte, Fledermäuse seien im Zimmer der Prinzessin, brummte er, dies sei nicht schlimm, darum brauche niemand so zu schreien.
„Kasperle, du bist aber ein arger Strick!“ sagte unten der Graf von Singerlingen.
Kasperle blickte ihn mit seinen schwarzen Äuglein ganz unschuldig an. „Ich wollte sie ja nur weggraulen!“ sagte er.
„Das gelingt dir nicht.“
„Doch und dann — biste mir wieder gut?“
Da mußte der Graf lachen. „Geh du nur in dein Bett, du unnützes Kasperle!“ sagte er. „Ich bin dir schon nicht mehr böse.“
Der Graf von Singerlingen ging in das Schloß zurück. Böse war er nicht, aber traurig. Er dachte: Wenn der Herzog nur nicht auf den Gedanken gekommen wäre, mir die Prinzessin zur Frau zu geben! Dann hätte ich meine Base Mauritia geheiratet, die ist zwar weder jung noch schön, aber sie kann die allerbesten Puddings machen. Na, und das ist auch etwas wert! Das kann die Prinzessin Gundolfine sicher nicht.
Und die Prinzessin dachte just in dem Augenblick: Besser einen Grafen als überhaupt keinen Mann! Ich will mich auch recht schön putzen morgen. „He, was ist denn das?“ Sie blickte sich erschrocken um. Am Fenster, das jetzt geschlossen war, war ein schwarzer
Schatten aufgetaucht, aber gleich wieder verschwunden. Die Prinzessin rief ihre Kammerfrau, und beide schauten nun hinaus. Sie sahen aber nichts als lauter dicke, schwarze Schatten, sahen nicht, wie sich das Kasperle in den uralten Efeu verkroch.
„Das war gewiß eine alte Eule,“ sagte die Kammerfrau.