Dies nahm die Prinzessin ordentlich übel. „In meiner Gegenwart redet man nicht von alten Eulen,“ brummte sie, und dann sah sie noch einmal zum Fenster hinaus. Es war aber nichts zu sehen, und da ging sie schließlich beruhigt in ihr Bett.
Kasperle aber hockte im nachtstillen Garten. Er hatte der Prinzessin noch ein paar Fledermäuse ins Zimmer lassen wollen, er meinte, dies sei ein gutes Mittel, jemand wegzugraulen. Dabei hatte er aber etwas gesehen, das ihm sehr, sehr sonderbar vorkam. Kasperle überlegte; im Waldhause hatten sie doch alle die Haare auf dem Kopfe gehabt, und keiner hatte sie abends neben sich gelegt. Die Prinzessin aber hatte ihre dicken, dunklen Zöpfe auf einem Tische liegen gehabt. Sonderbar, höchst sonderbar! Vielleicht hatte sie sich die Haare alle abgeschnitten und kam morgen ohne Haare. Ob sie da dem Grafen von Singerlingen besser gefiel? Es war doch eine schwierige Sache!
Kasperle seufzte, und dann sah er sich nach seinem Fenster um. Da war es, er sah zwei Fenster nebeneinander, die standen offen, und hinter einem schlief das Michele, hinter dem andern war seine Stube. Er kletterte also wieder hinauf und dachte dabei: Hinab ging es leichter, da war doch noch ein Blitzableiter da! Aber nun war er schon angelangt, und weil er purzelmüde war, gedachte er auf Kasperleart ins Bett zu steigen. Er zog sich gar nicht erst aus, sondern tat einen gewaltigen Hopser.
„Uff,“ schrie jemand, „mir ist ein Stein auf den Magen gefallen! Hilfe, Hilfe!“
Ei, da hatte das Kasperle wieder etwas angerichtet! Dem dicken Oberhofmeister war er auf den Magen gesprungen. Der
schrie ach und weh, stöhnte, er müsse nun sterben, und ehe noch Kasperle entwischen konnte, kamen ein paar Diener gerannt.
„Der Kasper war’s,“ rief der eine und hielt Kasperle am Hosenbödlein fest.
„Haue, Haue!“ ächzte der Oberhofmeister, aber ehe Kasperle noch einen Schlag bekommen hatte, erhob er seine Stimme und
brüllte so mörderlich, daß diesmal der Herzog nun wirklich vor Schreck beinahe starb.