Innen im Wagen erschrak der Herzog furchtbar. „Was ist das?“ rief er. „Uns rennt wohl ein wildes Tier nach? Halten, halten!“
Der Wagen hielt, Kasperle heulte unverdrossen weiter; und der Herzog bog sich erschrocken zum Fenster hinaus. „Was ist geschehen?“
„Mit Verlaub, Euer Gnaden, Kasperle heult,“ antwortete der Diener.
„Kasperle heult!“ Ganz verwirrt schaute der Herzog drein, aber die Prinzessin Gundolfine schrie: „Das ist eine neue Bosheit von ihm. Prügel muß er haben!“
„Er soll gleich still sein, sonst gibt es Haue,“ rief der Herzog. „Und dann steckt ihn in den Gepäckwagen, das ist besser.“
Also wurde Kasperle in den Gepäckwagen gesteckt, zwischen alle Koffer, Schachteln und Kisten mitten hinein, und der Diener, der es tat, gab ihm mitleidig noch ein Paket Butterbrote. „Nun mach’ also keine Dummheiten!“ sagte er gutmütig. Er schloß die Türe, und weiter ging die Reise.
Rumpel, pumpel, die Koffer und Schachteln wackelten hin und her, und Kasperle dachte: Na, schön ist das gerade nicht! Alle naselang bekam er einen Stoß von einem Koffer, und das wurde ihm doch zu toll. Er fing also an zu klettern und saß schließlich oben auf einer großen Rundschachtel. Da setzte er sich recht behaglich hin und begann zu schmausen. Aber gerade wie er beim dritten Butterbrot angelangt war, gab es einen lauten Krach: der Deckel der Schachtel barst und Kasperle fiel hinein. Er lag ganz weich zwischen Spitzen, Federn, Blumen und Bändern; er war nämlich in die Haubenschachtel der Prinzessin Gundolfine gefallen.
Kasperle wuschelte und raschelte darin herum, warf dabei etliche Staatshauben hinaus, ein paar, die weich und fein waren, knüllte er zusammen, da hatte er ein schönes Kopfkissen, und dann setzte er sich noch eine riesengroße seidene, vielfach bebänderte Haube auf, rollte sich wie ein Igel zusammen und schlief ein.
Kasperle verschlief wieder allerlei. Er verschlief zum Beispiel eine Mittagsrast, die der Herzog in einem kleinen Städtchen hielt.
Weil die Prinzessin Gundolfine so arg wütend war, sagte der Herzog, man solle Kasperle ruhig im Gepäckwagen lassen, da sei er gut aufgehoben. Also kümmerte sich niemand um den kleinen Schelm, und nach einer Stunde gingen die Wagen weiter. Kasperle schlief und schlief.