Kasperle machte plötzlich sein bitterböses Räubergesicht, und der Herzog sank erschrocken in seine Kissen zurück. „Tragt ihn fort, schließt ihn ein, und der Schlüssel soll hier an meinem Bett liegen!“ rief der Herzog ärgerlich. „Das ist ja ein ganz schlimmer Geselle!“

Da trug der Kammerdiener Kasperle in seine Kammer zurück,

warf ihn ins Bett, schloß zu, und wutsch, saß Kasperle aufrecht da. Er war kein bißchen müde, sondern hatte die größte Lust, ein dummes Streichlein zu machen. Er wartete ein Weilchen, bis alles still draußen auf den Gängen war, dann zündete er sich eine Kerze an. Veit hatte ihm ein Feuerzeug und Kerzen in einen Winkel gestellt. Und mit seinem Licht leuchtete Kasperle die ganze Kammer ab. Er dachte: Hoho, vielleicht finde ich ein geheimes Gänglein wie einstmals im Waldschloß des Herzogs. Aber soviel er auch klopfte und suchte, einen Ausschlupf fand er nicht. Nur ein winziges Türchen war da, das führte in den Schornstein. Gerade über seinem Bett war das.

Der Herzog August Erasmus war gerade eingeschlafen, als plötzlich ein furchtbar dumpfes Getöse ihn weckte. Erschrocken richtete er sich auf. Was war das?

„Huhuhu!“ klagte, stöhnte, ächzte es, und der Herzog riß zitternd an seiner Klingel.

Wieder stürzte der Kammerdiener herbei, der Haushofmeister kam, und beide lauschten schreckensbleich den unheimlichen Tönen.

„Kasperle, sicher, das ist Kasperle!“ ächzte der Herzog, und der Haushofmeister rannte die Treppen hinab, schloß die Kammer auf und — da lag Kasperle und schlief ganz fest.

Der Haushofmeister lief wieder hinaus und sagte: „Er ist’s nicht, er schläft!“

„Doch, er war’s,“ rief der Herzog. „Hört nur, jetzt ist es still geworden!“

Es war wirklich still geworden, denn Kasperle hatte nun doch Angst bekommen. Er ließ das Ächzen und Stöhnen sein, und als der Haushofmeister und der Kammerdiener wieder in seine Kammer kamen, da schlief er nun wirklich ganz fest.