„Nein,“ antwortete die Kleine, „ich bin nur das traurige Marlenchen.“
„Warum bist du denn traurig?“ Kasperle schnitt die fürchterlichsten Gesichter vor lauter Mitleid. Sonst lachten alle Kinder darüber, das traurige Marlenchen aber beugte sich über den Bach, und ihre Tränen tropften in das Wasser. „Ich muß immer weinen,“ klagte sie.
„Warum mußte denn das?“ Kasperle weinte ja auch oft und recht tüchtig, er konnte aber nicht begreifen, daß jemand immerzu weinen muß.
„Um meinen Vater weine ich,“ flüsterte das traurige Marlenchen.
Ob der wohl tot war? Kasperle wagte nicht zu fragen, er setzte sich nur still neben die Kleine, und eine Weile war nur das Plätschern des Baches und das Rauschen der Bäume zu hören. Plötzlich aber rief ferne eine Stimme: „Kasperle, Kasperle!“
Der sprang auf. Der Haushofmeister hatte gesagt: „Wenn du gerufen wirst, komme sofort, sonst sperrt dich der Herzog wirklich ein.“ Kasperle schrie nur noch: „Ich komme wieder,“ und dann rannte er in solchen Bocksprüngen dem Hause zu, daß ihm das traurige Marlenchen ganz verwundert nachsah.
Im Schloß kam Veit schon Kasperle entgegen. „Schnell, schnell, du sollst zum Herzog kommen, aber schlage nicht wieder Purzelbäume!“
Der Herzog saß in einem schönen, großen Zimmer und war verdrießlich. Das war er beinahe alle Tage, vielleicht weil er es zu gut hatte im Leben. Er gähnte und sah Kasperle streng an: „Wo warst du?“
„Im Garten,“ stammelte Kasperle und er wollte gerade sagen: Ich habe das traurige Marlenchen gesehen, als ihm der Haushofmeister zuflüsterte: „Still!“
Klapp! machte Kasperle seinen Mund zu. Er stand da und schaute mit seinen glitzernden Äuglein den Herzog erstaunt an; nein, sah der brummig aus! Auf einmal fragte der Herzog: „Kannst du wirklich aussehen wie meine Base Gundolfine?“