Kasperle versank erschrocken mit seiner großen Nase in dem Puddingberg. Ein leises Lachen erklang ringsum, der Herzog aber rief streng: „Kasperle soll aufstehen, den Pudding darf er nicht essen!“
Das war bitter. Kasperle verzog sein Gesicht, er wollte heulen, aber sein Freund Veit hielt ihm einfach den Mund zu. Er hob ihn auf, führte ihn aus dem Saal, und draußen flüsterte er ihm zu: „Sei still, ich bringe dir deinen Pudding!“
Ein anderer Diener, der nicht bei Tische aufwartete und der mürrisch und unfreundlich war, nahm Kasperle, führte ihn in den Turm, schloß brummig die Türe zu, und da saß Kasperle allein und gefangen. Er dachte wieder an das Waldhaus, an das traurige Marlenchen und den Pudding. Das war zuviel für ihn, und er brach in ein jämmerliches Geheule aus.
Er weinte lange, bis er draußen Schritte hörte. Es war der alte Haushofmeister, der selbst kam, ihm seinen Pudding brachte und ihn gutherzig tröstete. „Kasperle,“ sagte er, als der schon wieder
purzelvergnügt zu schmausen begann, „wenn du mir fest versprichst, keine Dummheiten zu machen und nur dann aus dem Turm zu wutschen, wenn es gar niemand merken kann, will ich dir etwas verraten. Ich muß nämlich den Schlüssel dem Herzog geben; du sollst nur herausgelassen werden, wenn der Herzog von dir unterhalten sein will, sonst sollst du immer, immer im Turm stecken. Doch der Turm hat noch ein Türchen, von dem aus du die Treppe hinablaufen kannst. Der Turm ist nämlich noch von dem alten Schloß.“
„Wie im Waldschloß,“ rief Kasperle vergnügt, und flink schlug er dem Bild eines würdigen Herren auf den Magen, weil er dachte, das Türlein sei dahinter.
Aber der Herr blieb steif und feierlich an der Wand hängen und der alte Haushofmeister lachte. „So flink findest du das nicht,“ sagte er, „und erst mußt du mir dein Wort geben, keine Dummheiten zu machen.“
Das gab ihm Kasperle. Freilich, der gute Haushofmeister wußte nicht, daß Kasperle für die harmlosesten Dinge ansah, was man sonst schon große, unnütze Streiche nennt.
„Nun paß also auf!“ Der Haushofmeister schloß den Schrank auf, verschwand drinnen und — kam auf einmal ganz vergnügt durch die Türe von außen wieder in die kleine Stube hereinspaziert.
Das war doch merkwürdig! Hops! sprang Kasperle auch in den Schrank, der Haushofmeister schloß von außen zu, und da saß Kasperle im Schrank. Er klopfte, drückte, aber nirgends war ein Spalt. Es wurde ihm himmelangst und er schrie flehend: „Rauslassen, rauslassen!“