Und rasch ging der Herzog auf den großen Stein zu, auf den er vorher den Ring niedergelegt hatte, doch der Ring war weg. ‚Haben Sie meinen Ring aufgehoben?‘ fragte der Herzog den Hofjägermeister. ‚Geben Sie mir ihn rasch!‘

Der Herr von Lindeneck erschrak. Er hatte gar nicht an den Ring gedacht und er sagte etwas verwirrt: ‚Er muß doch dort liegen!‘“

Der alte Haushofmeister seufzte. „Ich bin nicht dabei gewesen, aber der Veit, der ein guter Bursche ist, war dabei, und der hat gesagt, Marlenchens Vater sei nur etwas erschrocken gewesen, keine

Maus hätte denken können, er habe ein schlechtes Gewissen. Doch die Prinzessin Gundolfine, die den Herrn von Lindeneck nicht leiden konnte, und die dazu kam, hat gleich gerufen: ‚Sie sehen ja so verlegen aus! Ei, ei, Sie haben wohl den Ring in der Tasche verwahrt?‘

Das war sehr böse und der Herzog war zuerst auch ärgerlich über die häßlichen Worte der Prinzessin, aber als sich der Ring nicht fand, wurde er immer verstimmter und die Prinzessin tuschelte ihm immer zu: ‚Der Herr von Lindeneck mag doch mal seine Taschen weisen!‘ und da hat er zuletzt das von seinem Hofjägermeister verlangt.

Der ist totenbleich geworden, hat gleich alle seine Taschen aufgerissen, doch der Ring hat sich nicht gefunden. Die Prinzessin aber hat gerufen: ‚Er wird schon wissen, wo er ihn versteckt hat!‘

Darüber ist der Hofjägermeister so zornig geworden, daß er beinahe die Prinzessin geschlagen hätte. Es hat einen großen Streit gegeben. Der Herzog war auch böse auf die Prinzessin, und endlich ist der Herr von Lindeneck in den Schloßhof gegangen, hat sein Pferd bestiegen und ist davongeritten.

Dem Herzog war es nicht recht, und gewiß wäre auch alles gut geworden, aber an dem Ring hing ein alter Aberglaube. Wer ihn trägt, bleibt immer gesund, wer ihn verliert, muß bald sterben. Wie nun alle eilig in das Schloß gegangen sind, hat sich der Herzog eine Beule am Türpfosten gestoßen, und da hat er gemeint, er müßte gleich sterben. Er hat gejammert: ‚Mein Ring, mein Ring!‘ und die Prinzessin hat wieder gerufen: ‚Der ist gestohlen!‘

Oh, die Prinzessin Gundolfine ist schon eine bitterböse Frau!“

„Ja,“ rief Kasperle dazwischen, und er nickte höchst lebhaft und schnitt gleich wieder sein Räubergesicht.