„Mein Himmel, was ist das?“ rief eine alte Gräfin, die neben dem Herzog saß, als der seine Tasse fallen ließ. Doch da saß ihr der Frosch schon auf dem Schoß. Sie schrie gellend auf und ein paar junge Fräulein kreischten entsetzt: „Frösche, Frösche!“
„Wo denn?“ Ein etwas kurzsichtiger Kammerherr bückte sich, und plitsch sprang ihm ein Fröschlein mitten ins Gesicht.
Gab das ein Geschrei! „Frösche, Frösche!“ quietschten die Damen immerzu, sie hielten sich ihre Kleider fest zusammen und
sprangen auf die Stühle. Die Hofherren wollten die Frösche fangen, doch die waren schneller als sie und hopsten hierhin und dahin. Der Herzog aber lehnte schreckensbleich in seinem Sessel; vor Fröschen graulte er sich. Er stöhnte: „Wo kommen sie her?“
Kasperle stand ganz verdattert da. Daß die Frösche aus seinen Hosensäcklein gefallen waren, hatte nur Veit gesehen und der schwieg ganz still. Die andern Diener aber riefen: „Sie sind sicher aus dem Garten hereingesprungen.“
„Gewiß ist es ein Zeichen, daß es entweder schlechtes oder gutes Wetter gibt,“ flüsterte die alte Gräfin zitternd.
Der Herzog erhob sich bebend. „Ich muß mich in mein Bett legen,“ stammelte er, „ich bin zu sehr erschrocken.“
Und alle umdrängten den Herzog und bedauerten ihn, Kasperle aber schlich sich fort; niemand beobachtete ihn. Nur Veit zog ihn ein wenig an den Ohren und sagte: „Schelm du!“ Dann ließ er ihn los und Kasperle rannte in den Park, rannte dahin, wo das Bächlein floß, und er fand dort wirklich das traurige Marlenchen. Vergnügt erzählte er, was ihm alles passiert war, und wieder huschte es wie ein ganz matter, zarter Sonnenschein über das blasse Gesicht der Kleinen.
„Du lernst noch lachen,“ schrie Kasperle vergnügt und schlug vor Freude einen riesengroßen Purzelbaum.
Doch das gefiel Marlenchen weniger, sie bat sanft: „Erzähle vom Waldhaus, bitte, bitte!“