Herrgottsfrühe aus dem Bett. Er dachte: Ein Gänsejunge, der einen Tag im Dienst ist, der braucht keinen Feiertag; Feiertagskuchen ist genug.
Als Kasperle noch halb verschlafen auf den Hof stolperte, hielt dort schon Damian mit der Herde. Dem taten die Schafe leid; warum sollten die um den schönen Frühlingstag kommen? Also zogen beide wieder einträchtig hinaus, und am Bächlein hob Damian drohend den Stock; da hob auch Kasperle flugs den seinen empor und machte genau so ein drohendes Gesicht wie der Schäfer. Das war dem doch zu toll. So ein Frechling, der ihn noch verhöhnen wollte! Er sprang auf Kasperle zu, der nicht faul, wutschte ihm zwischen den langen Beinen durch, und plumps! lag „Damian ohne Maul“, so lang er war, im Bächlein. Das spritzte hoch auf, die Gänse flohen vor Schreck, und Flick kam eiligst herbei, um zu sehen, was eigentlich seinem Herrn geschehen war. Kasperle aber trieb seine Gänse, so schnell er konnte, ein Stücklein abwärts. Er rannte, die armen Watschelchens mußten auch rennen, bis er an einen leeren Schuppen kam. Dahinein trieb er die Gänse, pflockte die Türe von außen fest zu, und dann lief er selbst einmal wieder in die weite Welt hinein. Gänsejunge sein hatte er satt.
Doch „Damian ohne Maul“ war rasch hinter dem Ausreißer her. Er sah von weitem, wie Kasperle die Gänse versteckte. Da machte er noch längere Schritte, und Kasperle hörte ihn kommen und merkte wohl, er
mochte flink Purzelbaum schlagen, mochte sich rollen und kugeln, Damian erwischte ihn doch. Er sprang eine Böschung hinauf, oben ging die Landstraße entlang. Vielleicht gelang ihm da die Flucht. Aber Damian kam näher und näher, doch da zur rechten Zeit rollte ein schöner Wagen heran. Vier Pferde waren davor gespannt, neben dem Kutscher saß ein stattlicher Diener, und Kasperle besann sich nicht lange, er sprang, so rasch er konnte, hinten auf dem Wagen auf. Da gab es freilich nur einen schmalen Sitz, aber besser war es schon so, als dem Damian in die Hände zu fallen.
Der Schäfer schrie laut dem Wagen nach, er rannte auch noch ein Stück hinterdrein, aber niemand hörte auf ihn. Eine Biegung kam, — weg waren Wagen und Kasperle, und Damian kehrte zornig zu seinen Schafen zurück. Die mußten nun mit den Gänsen zusammen weiden. Mittags ging’s heim, und auf dem Hofe rief „Damian ohne Maul“ zornig: „Ausgerissen!“
„Wer? Ein Schaf?“ fragte der Bauer, der das gerade hörte.
„Nein!“ Damian schüttelte den Kopf. „Kasper!“
„Ausgerissen? Mein neuer Gänsejunge?“ Der Bauer riß die Augen weit auf. Wie war denn so etwas möglich? Bei ihm riß doch sonst niemand aus! „Warum denn?“ fragte er. „Erzähl’ doch!“
Zum Feiertag auch noch eine Geschichte erzählen müssen, das war zuviel für Damian. Er schüttelte den
Kopf und tippte an seine Stirne; das sollte heißen, bei Kasperle sei es nicht richtig. Dann ging er und legte sich in sein Bett und verschlief den schönen Pfingstnachmittag.