Und schwups! nahm eine Magd Kasperle und zerrte ihn in einen Nebenraum hinein. Dort saßen drei junge Dirnen, zu denen sagte sie: „Da ist einer, der soll euch helfen.“

„Der uns helfen?“ Die drei kicherten laut, und dann nahm eine eine riesenweite Küchenschürze, band die Kasperle um, die zweite reichte ihm eine Schüssel, die dritte gab ihm ein Messer in die Hand, und alle drei riefen: „Nun hilf uns!“

Ei, da waren sie aber an einen flotten Helfer geraten! Potztausend, das ging! Schnippel schnappel, schnippel schnappel! Hierhin flog ein Stück Kartoffel, dahin eins; Kasperle hatte gleich die ganze Kartoffel zerschnitten. Und dann wickelte er sich die Küchenschürze um die Beine, warf Schüssel und Messer auf die Erde und schrie: „Ich hab’ Hunger!“

Die Mägde lachten. Aber dann liefen gleich zwei, um etwas für das Kasperle zu holen, die dritte aber streichelte ihn und fragte, woher er käme. Und dann schmauste Kasperle und erzählte, und zuletzt schnitt er

Gesichter. So etwas hatten die drei Mägde noch nie gesehen.

Als Frau Emma nach einem Weilchen in die Nähe der Türe kam, lauschte sie ärgerlich. So ein Gelächter! Zornig tat sie die Türe auf. Da saßen die drei Mägde, lachten und lachten, und Kasperle kasperte auf dem Küchentisch herum. Die Kartoffeln aber waren alle ungeschält. Frau Emma verstand keinen Spaß. Sie fuhr drein wie ein Hagelwetter, und die Mägde duckten erschrocken die Köpfe. Das Kasperle aber trieb die Frau aus dem Raum. „Geh, hilf Geschirr waschen!“ herrschte sie ihn an. „Da hinein!“ Sie schob den Kleinen in einen großen Raum, in dem gewaschen und geputzt wurde.

Hier führte die Herrschaft die alte Liesetrine, und die machte gleich ein schiefes Gesicht, als sie den kleinen Helfer sah. „So einen Dreikäsehoch kann ich nicht brauchen,“ schrie sie. „Raus mit ihm, raus! Der schlägt mir nur alles kaputt.“

Na, dachte Kasperle gekränkt, versuchen kann sie es doch erst mit mir! Und er wollte zeigen, wie geschickt er sei. Er nahm also flink ein reines Tuch, von denen ein großer Stoß auf einem Tisch lag, dann wollte er von einem Gestell einen Teller nehmen, um ihn säuberlich zu putzen. Er hatte oft gesehen, wie Liebetraut das machte. Da schrie die alte Liesetrine: „Halt, halt, vergreif’ dich nicht dadran! Die Teller —“ Klirr, da sausten sämtliche Teller von oben herab, noch

ehe Liesetrine mit ihrer Warnung fertig war. Heisa, gab das eine Aufregung! Liesetrine klagte: „Die allerbesten Teller sind es, die allerbesten!“ Ein paar Mägde schnatterten durcheinander, und da tat sich auch noch die Türe auf, und ein Diener streckte den Kopf herein und fing an über den Lärm zu schelten. Von der andern Seite guckte Frau Emma durch ein Schiebefensterchen und schalt auch.

In all dem Lärm entwischte Kasperle ganz heimlich. Husch, war er draußen! Er drückte sich an der Wand entlang und geriet in einen halbhellen, kühlen Gang. Hier verhallte der Lärm etwas, und Kasperle sah, daß vier Türen auf den Gang mündeten. Jede hatte ein kleines Fensterchen, und Kasperle konnte gerade, auf den Zehen stehend, hindurchsehen. Ei potztausend, war das fein, was er da erblickte! Er sah in die Speisekammern des Schlosses hinein, in denen die leckersten Dinge standen. Dem kleinen Schelm lief das Wasser im Munde zusammen; er merkte jetzt erst, wie hungrig er war. Er klinkte an einer Türe, an der andern, an der dritten, — sie waren alle verschlossen; die vierte aber ging auf, die hatte Frau Emma in der Eile dieses Tages nicht zugeschlossen. Und gerade in dieser Kammer standen die süßen Speisen: Fruchtschalen, Kuchen und Torten.