Kasperle besann sich nicht lange. Er fing an zu schlecken und zu lecken. Wie das schmeckte! Viel, viel besser, dachte er, als das Käsebrot beim Bauer Strohkopf.
In einer Ecke stand ein ganzer Kübel Schlagsahne. Kasperle wußte erst nicht, was dieser weiße Schaum war, und weil er im Waldhäuschen einmal neugierig an Seifenschaum geleckt hatte, dachte er, es könnte wohl etwas Ähnliches sein. Aber naschhaft, wie er war, steckte er doch sein Fingerlein hinein und versuchte. Das war fein. Er schleckte den Finger ab, tauchte wieder ein, steckte die ganze Hand hinein, und weil der Kübel etwas hoch stand, kletterte er schließlich auf den Rand, um besser lecken zu können.
Da sagte auf einmal draußen jemand: „Was ist denn das? Hier steht ja eine Türe auf!“
Kasperle erschrak mächtig. Er wollte sich flink in eine Ecke flüchten, doch dabei verlor er das Gleichgewicht, und gerade als Frau Emma in die Speisekammer trat, plumpste Kasperle in die Schlagsahne hinein. Die spritzte hoch auf, und Frau Emma, die nur etwas zappeln und krabbeln sah, hielt Kasperle für eine Katze, sie stürzte schreiend aus der Speisekammer und rief um Hilfe.
Da war Kasperle geschwinder wieder aus dem Kübel heraus, als er hineingekommen war, und er wutschte flink aus der Kammer. Doch Frau Emma sah ihn, und merkte auch, daß das zweibeinige Ding keine Katze sein konnte; sie wollte ihn greifen, aber Kasperle, der von oben bis unten voll Schlagsahne war, entglitschte ihren Händen. Türen gingen auf, Menschen kamen, und Kasperle sah einen großen steinernen Pfeiler;
hinter den rutschte er. Von da aus hörte er Frau Emma klagen, Mägde und Diener schelten, und plötzlich riefen alle: „Es fahren wieder Gäste vor.“
Da rannten alle weg, und Kasperle kroch aus seinem Versteck heraus. Satt war er, nun hätte er gern geschlafen, aber er wagte nicht, jemand zu fragen, wo denn das Kämmerlein sei, das er bekommen sollte. Beim Umschauen entdeckte er eine schmale Treppe, die nach oben führte. Ei, vielleicht war es dort stiller, und er fand wohl ein Plätzchen zum Ausruhen. Oben geriet er in einen kleinen Flur, auf dem mündeten viele Türen. Der kleine Schelm schlich etwas an der Wand entlang, so recht gemütlich war es ihm nicht. Der schmale Flur lief in einen breiten hinein, da war wieder Tür an Tür; alle waren sie weiß und hatten goldene Verzierungen, ganz prächtig sah es aus. Eine dieser Türen stand ein Ritzchen auf, und das neugierige Kasperle konnte nicht widerstehen, es steckte seine Nase hindurch. Das war aber ein feines Zimmer, in das er blickte! Selbst die Wände waren mit Seide bekleidet, und an der einen Wand stand ein breites goldenes Bett. Kein Mensch war im Zimmer, und das Bett lockte Kasperle arg. In dem mußte es sich doch sicherlich gut schlafen.
Sachte schlüpfte er ins Zimmer, und eins, zwei, drei war er in dem schönen Bett. Das war ganz von Seide, und Kasperle rollte sich wie ein Igel drin herum. Ei, da lag sich’s besser als in Bauer Strohkopfs
Kammer! Doch freilich, in Protzendorf hatte ihn bis zum Morgen niemand gestört, aber hier! — Kasperle richtete sich erschrocken auf, viele Stimmen erklangen draußen, und er bekam Angst. Mit einem Satz war er aus dem Bette heraus, strich es schnell ein wenig glatt und kroch dann flink darunter.
Es war aber auch die höchste Zeit, denn gleich darauf tat sich die Türe auf, und ein älterer Herr, gefolgt von einigen Dienern, trat ein. Die redeten miteinander allerlei, was Kasperle nicht recht verstand, und dann trat der Herr an das Bett heran und sagte seufzend: „Ich bin heute sehr müde; ich wollte, der Tag wäre erst zu Ende!“ Bei diesen Worten strich er etwas über die seidenen Kissen, weil er sich wunderte, daß diese nicht so ganz gerade lagen. „Was ist denn das?“ rief er auf einmal erstaunt. Der Herzog, denn das war der ältere Herr, zog verdutzt seine Hand zurück. Er betrachtete sie, schüttelte den Kopf, strich wieder über das Bett und rief dann entrüstet: „Friedrich, in — meinem Bett ist — Schlagsahne!“