Doch da wurde Herr Habermus ernstlich böse. „Schämt euch!“ rief er. „Was kann der arme Junge für seine große Nase! Ein armes Waisenkind ist’s, dem es arg schlecht gegangen ist in der Welt. Komm nur, Kasper, morgen in der Schule werden sie sich schon mit dir vertragen!“ Und Herr Habermus stapfte wieder voran und das Kasperle hinterher.

Nach drei Schritten drehte der sich um und schnitt sein allerdümmstes Kasperlegesicht. Die Kinder kreischten laut vor Vergnügen, und der Schullehrer drehte sich

wieder um. „Aber Kinder,“ mahnte er strenge, „was soll der Lärm!“

Und wieder streckten sich lauter kleine Zeigefinger aus, und wieder ertönte es im Chor: „Der da macht so ’n komisches Gesicht!“

„Kasper!“ Herr Habermus sah seinen kleinen Schützling fragend an, doch der sah so unschuldig drein, als könne er kein Wässerlein trüben. „Dumm, dumm!“ brummte der Schullehrer und ging weiter, denn das Schulhaus lag ganz am andern Ende des Dorfes. Trapp, trapp folgte Kasperle ihm. Da kam eine Schar Gänse angewatschelt, und flugs schnitt Kasperle auch denen sein Räubergesicht. Gab das ein Geschnatter und Geschrei! Die Gänse wuselten erschrocken durcheinander, die Kinder lachten, und Herr Habermus drehte sich wieder ärgerlich um. Da sah er wieder das Kasperle mit gesenktem Kopf ganz bescheiden hinter sich gehen, und er schalt auf Kinder und Gänse. „Geht heim,“ gebot er den Kindern, „laßt mir den Kasper in Frieden!“ Dann nahm er selbst Kasperle an der Hand und führte ihn seinem Hause zu, denn so ganz traute er dem Schelm doch nicht.

Die Frau Schullehrer sah arg erstaunt drein, als ihr Mann so bald schon und mit einem so sonderbaren Kerl zurückkehrte. „Jemine,“ rief sie, „was bringst du da für einen Popanz mit? Der sieht ja aus wie ’n Kasperle aus ’ner Jahrmarktsbude!“

Herr Habermus war sehr gekränkt. Er erklärte

seiner lieben Frau, wie er Kasperle gefunden habe, und der Schlingel stand trübselig dabei und machte ein so unschuldiges Gesicht, daß er der Frau, die von heiterer Güte war, bitter leid tat. Sie nahm den Kleinen freundlich an der Hand und führte ihn in das Haus hinein.

Drinnen gab es freilich Geschrei und arg böse Blicke bei Kasperles Anblick. Für das Geschrei sorgten Lenchen und Lorchen Habermus, die drei- und vierjährig und noch ein bißchen dumm waren. Sie hörten freilich bald wieder auf zu schreien, als Kasperle ein lustiges Gesicht aufsetzte, ja sie jauchzten ihm vergnügt zu. In das laute Gelächter stimmte nur die Base Mummeline nicht ein; sie war es, die das arg böse Gesicht machte. Wie eine Gewitterwolke sah sie drein. Ihr paßte nicht der Gast im Hause, der unnütze Esser, und ihr gefiel das ganze Kasperle nicht. „Wie ein Spatzenschreck sieht er aus,“ behauptete sie und sah den Kleinen scheel an.

Dem Kasperle gefiel die Base Mummeline auch recht wenig. Er merkte gleich, an der hatte er keine gute Freundin. Drum machte er blitzschnell, als ihn die Base beim Abendessen so unwirsch ansah, sein Räubergesicht. „Hach,“ kreischte die Base, „wie sieht der Bengel aus! Man muß sich fürchten.“