nie, trotz der Strafarbeit, und an diesem Abend brummten allen Vätern und Müttern in Waldrast die Köpfe, so viel schwätzten die Kinder von ihrem neuen Schulgefährten.
Zehntes Kapitel
Eine neue Gefahr
Kasperle schlief an diesem Abend putzvergnügt ein; pardauz! fiel er ins Bett, und bums! da schlief er auch schon. Der gute Schullehrer von Waldrast aber, Herr Habermus, sagte noch sorgenvoll zu seiner lieben Frau: „Mit dem fremden Buben werden wir viel Sorge und Verdruß haben. Hätte ich ihn doch lieber nicht mit heimgebracht!“
Doch die Frau Schullehrerin antwortete heiter: „Mach’ dir keine Sorge, Mann! Ein lieber kleiner Kerl ist der Kasper doch, und mit der Zeit wird er schon ein rechter braver Schulbube werden.“
Danach sah es freilich am andern Morgen nicht aus. Kaum betrat das Kasperle die Schulklasse, gleich ging der Lärm los. Alle schrieen: „Du mußt uns was vorkaspern, bitte, bitte, bitte!“
Doch Kasperle dachte an das Verbot des Lehrers, auf dem Katheder dürfe er nicht kaspern, und darum kletterte er eins, zwei, drei auf den großen braunen Schulschrank hinauf. Die Buben schrien laut: „Hallo!“
und die Mädel rissen vor Erstaunen den Mund weit auf. Jemine, so flink war noch nie jemand auf den Schulschrank gekommen! Das war ein Spaß! Herr Habermus hörte das Geschrei drüben in seiner Wohnung, und noch ehe die Base Mummeline die Klingel geschwungen hatte, lief er schon hinüber. Er riß die Türe auf und schrie: „Potzwetter, was ist das für ein Lärm!“
Platsch! fiel Kasperle vor Schreck vom Schulschrank herab. Er fiel auf einen Tisch gerade auf Heine Fistelmeyers neue Schiefertafel; die nahm das übel und ging mit einem lauten Krach kaputt. Kasperles Beine zappelten in der Luft herum, sie trafen Fritze Schrumps’ Nase, trafen ein Tintenfaß; das sauste in einem weiten Bogen herab, und auf der Mädelbank gab es ein lautes Gekreisch. Fünf gute Schulschürzen bekamen dicke schwarze Tintenkleckse. Ihre Besitzerinnen heulten, ihre Freundinnen heulten zur Gesellschaft mit, Heine Fistelmeyer heulte, Fritze Schrumps heulte, Kasperle heulte, etliche lachten und jauchzten, — es war wieder einmal ein Lärm wie bei Teufels Großmutter.
Da verlor der sonst so nachsichtige Lehrer die Geduld. Klatsch, klatsch, klatsch, ging es, Kasperle bekam seinen Teil, die ärgsten Schreier bekamen etwas ab, und schnell merkten es alle, mit ihrem Schullehrer war heute nicht gut Spaß zu machen. Nach und nach trat Ruhe ein, nur die fünf Mädel, die bekleckste Schürzen hatten, weinten ganz leise, und Kasperle heulte laut. Himmel,
konnte der brüllen! Selbst die fünf Mädel verstummten schließlich, alle staunten sie das heulende Kasperle an, und allmählich erfaßte sie alle ein tiefes, tiefes Mitleiden mit dem kleinen Irrwisch. Herr Habermus faßte den am Kragen, zog ihn vor und stellte ihn in eine Ecke. „So,“ sagte er streng, „da bleibst du stehen, bis du vernünftig geworden bist.“