Marsch hinaus! Du darfst nicht mehr in die Schule kommen. Ich schicke dich überhaupt wieder fort.“

Einen Augenblick herrschte tiefes, erschrockenes Schweigen im Schulzimmer. Kasperle selbst saß ganz verdattert da, er war sich keiner Schuld bewußt. Dann erhob sich aber jäh ein lautes Geheule, so ein tiefbetrübtes, jämmerliches Geheule, wie es Herr Habermus noch nie vernommen hatte. Und nicht nur die Mädel weinten, die Buben schluchzten auch alle, und alle miteinander riefen flehend: „Kasper hat keine Schuld, Kasper soll dableiben; bitte, bitte, bitte, ach bitte, Kasper soll nicht wieder fort!“

Der Lehrer sah seine Schulkinder ganz verdutzt an, und deren Gebitte wurde immer lauter und dringlicher, und je mehr sie flehten, je lauter heulte das Kasperle. „Es ist rein, als hätte der die Kinder verhext!“ brummte Herr Habermus vor sich hin. Und mich dazu, dachte er, als er das Kasperle ansah und der kleine Kerl ihm einmal wieder herzlich leid tat. Böse, nein, böse war er gar nicht mehr auf ihn.

„Also mag er bleiben, weil ihr alle so bittet,“ sagte er schließlich. „Das Nachsitzen sei euch auch geschenkt, aber eine Strafarbeit gibt es, ein Stück zu schreiben, und wehe, wer sie nicht gut macht! Und nun stille — jemine, Kasper, was ist denn nun wieder los?“

Das Kasperle war unter die Bank gerutscht, und von dorther ertönte wieder sein furchtbares Jammergebrüll.

„Ich kann doch nicht schreiiiben,“ klagte er, „ich kann nicht schreiiiben!“

„Dummer Bube,“ brummte Herr Habermus, „du brauchst natürlich nicht die Strafarbeit zu schreiben, du brauchst bloß Striche zu machen, und nun, potzwetter, sei still, sonst —“

Da kam Kasperle auf die Bank, ehe der Lehrer noch ausreden konnte, und dann saß er da mit dem allervergnügtesten Gesicht. Daß ihm die Schule Spaß machte, war ihm an der Nasenspitze anzusehen. Er gab kreuzdumme Antworten, und immer wieder durchbrauste ein lautes Lachen die Schulstube. Herr Habermus wollte schelten und konnte es nicht, denn eigentlich tat Kasperle gar nichts Böses. Da klingelte es, die Schule war aus. Sonst atmeten die Kinder meist alle auf, waren froh, hinauszukommen, heute bettelten selbst die allergrößten Faulpelze: „Ach, bitte, bitte, wir wollen noch bleiben, es ist so wunderschön in der Schule!“

Und der gute Lehrer tat ihnen wirklich den Willen. Er erzählte ihnen von den Blumen und Bäumen, von Felsen und Bergen, von den feinen Schmetterlingen und den dicken Brummkäfern, und alle lauschten still, am aufmerksamsten aber das Kasperle, und der schrie dann auch am lautesten: „Schon?“ als Herr Habermus sagte: „Nun ist’s aber wirklich genug, nun geht heim, nicht zu laut, und vergeßt eure Arbeiten nicht!“

Und dann verließen die Waldraster Kinder das Schulhaus, und sie kamen so vergnügt heim wie noch