„Sie sind vielleicht in den Wald gegangen,“ sagte Frau Veronika Lappenmeyer.

„Aber es ist doch Schule!“ rief Herr Habermus entrüstet. In den Wald konnte man schon gehen in Waldrast, denn der dehnte sich vom Dorf entlang bis tief, tief ins Tal hinein, viele Stunden weit.

Indem kam ein Bursche mit einem Heuwagen angefahren. Der rief: „Frau Lappenmeyer, was ist denn in Ihrem Schuppen auf der Wiese los? Da drin brüllt es ja fürchterlich!“

Die Kinder sind’s mit Kasper. Herr Habermus dachte das nur, er rannte aber gleich los, die Dörfler folgten ihm, und alle miteinander drängten sie ihm nach, als er die Scheunentüre aufriß. Da waren sie wirklich. Kasperle saß hoch oben unter dem Gebälk, und unten standen Mädel und Buben und starrten lachend hinauf zu dem neuen Gefährten, der sich drehte und verrenkte und den allergrößten Unsinn schwätzte.

„Bimmelim, bimmelim, bimmelim!“ Die Frau Lehrerin war ihrem Mann mit der Schulglocke nachgelaufen, und in das Lachen und Jauchzen der Kinder hinein ertönte der wohlbekannte Klang. Alle erschraken, alle schauten sich verwirrt um. War es wirklich schon Schulzeit?

„Bimmelim, bimmelim, bimmelim!“ Die Glocke

gellte ihnen in den Ohren, und ein paar schrien: „Wir müssen in die Schule!“ Und dann rannten sie an den Erwachsenen vorbei, rannten ihren Lehrer beinahe um und sahen vor lauter Eile und Eifer niemand und nichts. Und Kasperle sprang plötzlich von oben herab in einem weiten Bogen, auch er sah und hörte nichts, auch er raste den andern nach, und im Umsehen war der Schuppen leer.

Die Erwachsenen sahen sich ganz verdutzt an. „Die Kinder sind ja wie besessen!“ rief die Krämerin, die andern stimmten ihr zu, Herr Habermus aber kehrte bedrückt nach dem Schulhaus zurück. Kasper war daran schuld, nur er allein. Was war das für ein schlimmer Junge! Er darf nicht mehr in die Schule, dachte er und betrat das Schulzimmer. Da saßen alle brav auf ihren Bänken, rechts die Großen, links die Kleinen, und Kasperle saß wieder auf der vorderen Bank. Sein Gesicht strahlte, er sah so unschuldig drein, als könnte er nicht das kleinste Dummheitle machen.

Doch Herr Habermus ging mit gefurchter Stirn zum Katheder, dort sagte er streng: „Ihr seid alle zu spät gekommen, darum müßt ihr alle nachsitzen.“ Da senkten sich erschrocken und schuldbewußt alle blonden und braunen Buben- und Mädelköpfe, nur das Kasperle sah höchst verwundert drein, es krähte mit seiner lauten Stimme: „Es hat ja eben erst geklingelt!“

„Sei du still, du verläßt sofort die Schule!“ rief Herr Habermus streng. „Du bist an allem schuld.