freuten sich schon auf die Tage, die kommen würden, und einmal sagte Kasperle ängstlich: „Aber der Herzog, wenn der in sein Schloß kommt!“

Kasperle schläft auf seidenen Kissen

„Ach, der kommt ja erst im Herbst!“ Michele schnippte mit der Hand, als könnte er damit den Herzog davonweisen, und Kasperle war beruhigt. Mit seinem neuen Freund zusammen trieb er dann die Geißen an zum Heimgehen, und als das Schloß sichtbar wurde, trennten sich beide. Kasperle schlüpfte wieder durch das Gebüsch, öffnete die kleine Türe und stand dann allein in dem Schloß. Sein Schritt hallte laut auf dem Flur wider, und da begann sich der kleine Hasenfuß zu fürchten. Am liebsten wäre er wieder umgekehrt und dem Michele nachgelaufen, aber dann dachte er doch an das schöne seidene Bett, in dem er schlafen wollte, und er lief geschwind die Treppe hinauf und durch die Gänge, bis er das Zimmer erreichte. Dort schlüpfte er sehr eilig in das goldene Bett, zog sich die Decke über die Ohren und schlief wirklich nach fünf Minuten ein. Nichts störte ihn in dem einsamen Schlaf. Nur einmal hörte er ein fernes Blasen, aber so recht wachte er darüber nicht auf. Draußen auf der Waldwiese stand der Förster, den Michele den brummigen Matthias nannte, und blies auf seinem Hifthorn ein Abendlied. Feierlich tönte das durch den stillen Wald, und danach schwieg alles, nur die Bäume rauschten; sie erzählten sich, im einsamen Schloß sei ein wunderlicher kleiner Gast eingekehrt, von dem selbst der Förster nichts wisse.

Zwölftes Kapitel
Kasperle wird ein Gespenst

Als Kasperle im seidenen Bett wieder erwachte, schimmerte es ganz golden durch die herabgelassenen Vorhänge. Er sprang aus dem Bett heraus und lugte durch ein Ritzlein hinaus, obgleich Michele ihn sehr gewarnt hatte, dies zu tun. Draußen lag die Waldwiese im ersten Frühsonnenschein, und selbst in das verschlossene Zimmer hinein drang das Singen und Jubilieren der Vögel, die den neuen Tag grüßten. Wie lustig es klang! Kasperle erhob purzelvergnügt sein Stimmlein und sang mit. Es war schon gut, daß in dem einsamen Schloß ihn niemand singen hörte, denn vor dem Gesang konnte schon einer davonlaufen. Es klang, als quietschten zehn schlecht geölte Türen und drei verrostete Wetterfahnen dazu, doch Kasperle fand seinen Singsang schön, und singend lief er in dem Schlosse treppauf, treppab, und dabei kam er auch in die Küche. Und da merkte er, daß er schrecklich hungrig war, und das Singen verging ihm. Er begann neugierig in alle Töpfe und Schränke zu schauen, doch nirgends fand er etwas Eßbares. Er dachte seufzend an die gefüllten Speisekammern im Grafenschloß, und gerade wollte er die Küche wieder verlassen, als er in

einer Ecke eine Türe entdeckte. Rasch schloß er sie auf, ein halbdunkler Raum gähnte ihm entgegen, in dem es merkwürdig gut roch. Kasperle schnupperte und schnupperte, sah sich um und sah auf einmal von der Decke herab lange Würste hängen; auch ein paar Schinken und Speckseiten waren dabei. Kasperle war in die Räucherkammer geraten, in der es noch Vorräte vom letzten Besuch des Herzogs her gab.

Potzwetter staunte da Kasperle! Und lange besann er sich nicht, ob er zugreifen dürfe oder nicht. Er sprang hoch, sprang, bis er eine Wurst erwischte; an der zerrte er, bis er sie in seinen Händen hielt. Dann verschloß er die Kammer wieder und lief vergnügt mit seiner Wurst bis zur kleinen Pforte, an der Michele pfeifen sollte. Das dauerte noch ein Weilchen, und Kasperle biß inzwischen herzhaft in die Wurst hinein, und als Michele kam, hatte er schon ein gutes Stück verschmaust.

Der Kamerad machte große Augen, als Kasperle ihm von der Wurstkammer erzählte. „Das darfst du nicht, die Würste aufessen,“ sagte er bedrückt; „sie gehören doch dem Herzog!“

Doch Kasperle war ein leichtsinniger Strick. Der fand nichts Unrechtes am Wurstraub, sagte, die hätte der Herzog gewiß längst vergessen, und Michele glaubte ihm dies nur zu gern. So schmausten sie Wurst zu ihrem Brot, aßen tüchtig Himbeeren und verlebten mitsammen einen sehr vergnügten Tag. Die Geißen waren