dabei habe er ein Kasperle gezeigt, das ganz genau so ausgesehen habe wie der kleine Gärtnerjunge, und er habe dabei gefragt: „Habt ihr schon so einen flinken Kasper gesehen?“ Da hätten sie gerufen: „Meister Helmers Lehrbursche sieht gerade so aus!“ Ja, und so sei es gekommen. Und dann brüllten sie wieder die Straße entlang: „Ausgerissen, hurra! Fein, fein, fein, ausgerissen!“

Der Kasperlemann aber ärgerte sich schwefelgelb. Je mehr die Buben brüllten, desto zorniger wurde er. „Morgen hätte ich Graf sein können,“ schrie er, „wenn dies blitzdumme, vermaledeite Kasperle nicht wieder ausgerissen wäre. Dumm, dumm, dumm!“

Vierzehntes Kapitel
Die Reise mit Herrn Severin

Herr Severin hatte inzwischen still den schwarzen Kasten in sein Turmzimmer hinaufgetragen, und oben hatte er Kasperle herausgelassen. Ganz verstriezelt sah der sich um, und Herr Severin hatte ein wenig gelacht und gesagt: „Kasperle, du kleiner dummer Schelm, diesmal wärst du beinahe erwischt worden!“

Ach ja, wirklich beinahe! Kasperle schlug das Herz laut, wenn er an das Gelärme dachte, das sich um ihn herum erhoben hatte.

Nach einer Stunde kam Meister Helmer. Der freute sich herzhaft, als er Kasperle unversehrt wiedersah, und er hätte ihn gern wieder zu sich genommen, aber er stimmte doch Herrn Severin zu, als der sagte: „Kasperle muß fort. Morgen reise ich und nehme ihn mit im schwarzen Kasten. Und nun, Kasperle, spitze deine Ohren: es geht zurück ins Waldhaus. Ich weiß nun, wo es liegt, aber —“

Kasperle hatte gerade vor Freude einen Purzelbaum schlagen wollen, als dies „Aber“ ihn zurückhielt. Ein wenig ängstlich sah er Herrn Severin an, und der sagte ernsthaft: „Ja aber, Kasperle, du mußt arg vernünftig sein, denn wir kommen an allerlei Orte, wo man dich kennt. In Waldrast soll ich nach der Orgel schauen, und — auf Schloß Hirschsprung erwartet mich der Herzog. Da mußt du dann immer im Kasten bleiben und darfst keine dummen Streiche machen. Wirst du das können?“

Kasperle seufzte schwer, doch dann versicherte er treuherzig, er wolle ganz ungeheuer folgsam sein. Ja, und dabei glitzerten seine Äuglein schon wieder sehr lustig, denn der Gedanke, so ungesehen ins Herzogsschloß und nach Waldrast zu kommen, machte ihm großen Spaß. Viel lieber hätte er freilich Rosemarie und das Michele wiedergesehen, und als er an diesem Abend noch mit Herrn Severin zusammensaß, erzählte er dem viel von den beiden, und der sagte: „Nun, wer weiß, vielleicht sehen wir sie noch. Auf einer Reise

trifft man oft wunderlich mit den Menschen zusammen!“

Am nächsten Morgen, noch war die Sonne nicht recht aufgegangen, mußte Kasperle in den schwarzen Kasten steigen. Ein wenig eng ging es drin zu, denn Herrn Severins Werkzeug und allerlei mußten auch noch hinein, und Herr Severin meinte, schwer sei das Kasperle schon, als er den Kasten aufhob. Dann ging es hinaus. Im bunten Garten stand Meister Helmer, und da ringsum kein Mensch zu sehen war, durfte Kasperle noch einmal aussteigen und noch einmal flink durch die Gänge laufen. Wie schön war doch der Garten! Kasperle wurde das Herz schwer, als es an das Scheiden von Meister Helmer und seinen vielen Blumen ging. Doch Herr Severin trieb zum Aufbruch, gleich würde die Post vorbeikommen. Und Kasperle kroch wieder in seinen Kasten, und da kam schon mit Traratrara die gelbe Postkutsche angefahren. Der schwarze Kasten wurde oben aufgestellt. Herr Severin stieg in den Wagen, und heidi! fort ging die Reise.