Kasperle gehorchte, und klapp! schlug der Deckel hinter ihm zu, und Herr Severin setzte sich auf den Kasten und begann fein und lieblich auf seiner Geige zu spielen. Doch er kam nicht weit. Mit ungeheurem Geschrei rannten viele Kinder in das Haus hinein, ihnen folgte der Kasperlemann und ein paar Wächter, und alle brüllten sie: „Wo ist das Kasperle, wo ist das Kasperle. Wir wollen Kasperle fangen, der Herzog verlangt Kasperle. Wo ist es, wo ist es?“
Ein paar Buben aber tuschelten leise Meister Helmer zu: „Wir helfen ihm, daß er ausreißen kann.“
Meister Helmer schaute sich verdutzt um. „Kasperle war eben hier,“ murmelte er, und Herr Severin nickte und sagte auch: „Er war eben hier.“ Dabei spielte er aber ruhig weiter und erzählte: „Meister Helmer, ich verreise; da, ich habe schon meinen Koffer gepackt. Morgen ganz früh reise ich mit der ersten Post.“
„Das ist ja ganz gleichgültig, ob Sie reisen oder nicht,“ schrie der Kasperlemann grob; „das Kasperle müssen wir finden, es muß hier sein!“
„Wir suchen das Haus ab,“ riefen die Wächter streng und sahen Herrn Severin drohend an. Der nickte freundlich: „Ja, das tun Sie nur! Vergessen Sie aber den Garten nicht!“
„Zuletzt war er ja im Garten,“ sagte Meister Helmer, der das wirklich glaubte. Bei sich dachte er: Hoffentlich hat er schon ausreißen können! Da rasten Kasperlemann, Wächter, Kinder, alle in den Garten.
Herr Severin nahm seinen Kasten auf den Rücken, seine Geige unter den Arm und sagte, Meister Helmer solle ihn heute abend doch noch einmal besuchen; dann ging er leise singend aus dem Haus, durchschritt den Garten, und niemand hielt ihn auf.
Alle suchten und suchten, der Kasperlemann kletterte selbst auf die Stadtmauer und überzeugte sich, ob Kasperle wohl da hätte ausreißen können. Und dann liefen Kasperlemann, Wächter und Kinder in das Haus hinein, kein Winkel blieb undurchsucht. Sie schauten sogar ins Salzfaß, in Meister Helmers Kaffeetopf, Kasperle war nirgends zu sehen. Der Kasperlemann schrie und klagte: „Er ist uns entwischt, weil wir alle ins Haus gerannt sind. O wie dumm, dumm, dumm!“
„Wir werden ihn schon fangen!“ trösteten die Wächter. „Ah bah, papperlapapp, ein Kasperle kriegen wir schon!“
Und dann fragten sie den guten Meister Helmer. Der mußte erzählen, wie Kasperle zu ihm gekommen war, und was er getan und gesagt hatte. Dazwischen schrie der Kasperlemann: „Entwischt, entwischt, dumm, dumm, dumm!“ und die Wächter riefen: „Ah bah, papperlapapp, den fangen wir schon!“ Ein paar Buben aber brüllten plötzlich laut: „Ausgerissen, hurra, ausgerissen, hurra!“ Und dann rannten sie auf die Straße und erfüllten die mit ihrem Gelärme. Sie erzählten es jedem, der es hören wollte, der Kasperlemann habe seine Bude aufgestellt für den Jahrmarkt morgen, und