Da flitzte Kasperle sehr eilig in seinen Kasten, Herr Severin nahm ihn auf den Rücken, und er war heilfroh, als das Schloß vor ihm auftauchte. So ein richtiges lebendiges Kasperle zu schleppen, war wirklich nicht leicht!

Im Schloß wurde der fremde Künstler wohl empfangen. Nur wunderten sich alle über den großen schwarzen Kasten, den er bei sich hatte. „Darin ist ein seltenes Spielwerk,“ sagte Herr Severin, „das muß ich immer bei mir führen.“ Und er verschloß sorgsam das Zimmer, auch mußte Kasperle noch tief ins Bett schlüpfen, damit ihn ja niemand zu sehen bekam. Das war langweilig; viel lieber hätte er im Schloß etwas herumgegeistert oder zugesehen, wie Herr Severin des Herzogs Spinett eine Seele gab.

Herr Severin saß in dem Saal, ganz allein, das hatte er so gewollt, als sich sacht eine Türe auftat und ein kleines Mädchen hereinkam. Die ging ganz, ganz leise auf den Fußspitzen und lauschte andächtig, als der

Künstler spielte. Herr Severin sah sie an und dachte: Sie sieht doch aus wie Rosemarie, von der das Kasperle erzählt hatte! Da ließ er das Spinett singen, und er selbst sang halblaut dazu:

„Rosemarie, du kleine,
Rosemarie, du feine,
Einer hat mir aufgetragen,
Schönes Grüßlein dir zu sagen.
Trallallala, trallallala!
Rosemarie, du kleine,
Rosemarie, du feine,
Sage mir, ob du wohl weißt,
Wie der kleine Schelm doch heißt?“

„Kasperle heißt er!“ klang es lieblich neben ihm. Rosemarie stand am Spinett und sah Herrn Severin mit ihren großen Augen fragend an: „Wo ist Kasperle?“

„Du bist also wirklich Rosemarie,“ sagte Herr Severin. „Kasperle kommt ins Waldhaus zurück, er geht wieder heim.“

Rosemarie lächelte holdselig, und sie tippte mit feinem Fingerlein auf das Spinett, da klang es wie: „Grüße, Grüße, viele Grüße!“

„Ich werd’ es bestellen, und wenn du schweigen kannst, kleine Rosemarie, dann wirst du auch noch einmal das Kasperle sehen.“

Rosemarie sah Herrn Severin ernsthaft an, sie legte ihr Fingerlein fest auf den roten Mund, und dann huschte sie geschwinde aus dem Saal, denn jemand kam, im Nebenzimmer tönten Schritte.