Der Herzog war es. Der wollte hören, ob das Spinett nun schon eine Seele habe, und dann wollte er wissen, was für ein seltenes Spielwerk der Künstler im schwarzen Kasten habe. Der Herr Herzog war nämlich etwas neugierig, und er war ganz verdrießlich, als Herr Severin sagte, dies dürfe er nicht zeigen, dies Spielwerk gehöre nicht ihm, und er habe versprochen, es niemand zu zeigen.
Ich werde es schon sehen! dachte der Herzog und ging brummelnd davon. Herr Severin bekam Angst. Wenn ein Herzog etwas gern will, dann ist das so eine Sache. Wer konnte wissen, ob der nicht seinen Landjägern befahl: „Macht mir den Kasten einmal auf!“ Sorgenvoll ging er durch die vielen Gänge, an vielen geschlossenen Türen vorbei nach seiner Stube, und dabei lief ihm eine schwarze kleine Katze über den Weg. Halt, dachte er, die kommt mir zurecht, und er fing schnell das Kätzchen und nahm es mit.
In seinem Zimmer saß Kasperle verdrießlich wie einer, dem die Pfingstfreude verregnet ist. Sein Gesicht wurde aber gleich hell, als Herr Severin ihm von Rosemarie erzählte. „Gewiß hat der Herzog sie mit ihren Eltern eingeladen,“ sagte Kasperle.
„Ja, mein Kasperle, jetzt könnte dir das auch geschehen sein, wenn du nicht gar so unnütz und neugierig gewesen wärst. Aber nun mußt du in den Kamin kriechen, weit hinauf wie ein Schornsteinfeger.“ Und Herr Severin erzählte Kasperle von des Herzogs Verlangen.
Da bekam aber Kasperle einen Schreck, denn vor dem Herzog hatte er die allergrößte Angst. Er kroch flink in den Kamin, das ging ganz gut, und Herr Severin steckte das schwarze Kätzlein in den Kasten. Kaum waren sie beide fertig, da kam ein Kammerherr, der sagte, er wolle dem fremden Geiger das Schloß zeigen, der Herzog habe es befohlen. Und inzwischen will er in den schwarzen Kasten sehen, dachte Herr Severin und lachte heimlich.
Er hatte recht gehabt. Kaum waren die beiden aus dem Zimmer gegangen, als Kasperle Schritte hörte, Stimmen wurden laut, und er vernahm des Herzogs Befehl: „Öffnet den Kasten!“
Jemine, dachte Kasperle, wie schade, daß ein Kamin kein Guckloch hat! Er wollte versuchen, etwas zu sehen, und gerade war er bis ans Ofenloch gerutscht, als der Kasten aufging und die schwarze Katze fauchend heraussprang. Ritsch, saß sie dem Herzog auf der Schulter, und ehe sie noch jemand fassen konnte, sprang sie zum offenen Fenster hinaus.
„Prschiii!“ Kasperle war Ruß in die Nase gekommen, er mußte laut niesen. „Hazzi, prschiii!“ Und puh! quoll eine dicke, dicke Rußwolke aus dem Kamin, und der Herzog prustete, spuckte, nieste, und dann rannte er aus dem Zimmer, und seine Diener rannten ihm nach. Sie dachten alle, die schwarze Wolke sei aus dem Kasten gekommen, und der Herzog schalt arg, der Künstler sei ein Hexenmeister. Und schämen tat er sich auch.
Herr Severin lachte sehr, als er in seine Stube zurückkehrte und die Bescherung sah. Das Kasperle sah aus wie ein kleiner Schornsteinfeger, er gefiel sich selbst gar nicht. Aber Herr Severin half ihm sich waschen, da wurde er wieder blank und kroch vergnügt in seinen Kasten zurück. Danach ging Herr Severin zum Herzog und sagte, er wolle fort, denn das wunderbare Spielzeug sei nun beinahe kaputt, und der Herzog seufzte sehr und bat Herrn Severin inständig, ihm abends noch etwas vorzuspielen.
Der Geiger versprach das auch, doch bat er, es dürften keine Kinder dabei sein. „Ach,“ rief der Herzog, „die gibt es ja gar nicht im Schloß! Nur die kleine Gräfin Rosemarie ist da, die stört doch nicht.“