Der Meister macht einen Fund
Kaum hatte er das gesagt, da fing der kleine Kerl an sich zu schütteln und zu bewegen, er nickte mit dem Kopf, hob die Arme, und eine dicke, dicke Staubwolke ging von ihm aus.
„Hatzi — hatzi — hatzi!“ Der Meister nieste, der sonderbare kleine Kerl nieste, und Frau Annettchen, die das unten hörte, rief: „Friedolin, du kriegst wohl einen Schnupfen?“
Die Stimme von unten schien das Männlein aus dem Schranke ganz munter zu machen. Er fing auf einmal an zu lachen, und hops — hallo! lief es die Treppe hinab. Der Meister Friedolin starrte dem Dinge höchlichst verwundert nach. Er konnte sich die Sache gar nicht erklären. Und niesen mußte er immer wieder, er nieste und nieste, und inzwischen polterte unten das kleine seltsame Ding in die Wohnstube hinein.
Frau Annettchen schrie laut auf vor Entsetzen, und Liebetraut, die gerade mit Blumen in der Hand in das Zimmer trat, ließ die erschrocken fallen. „O du meine Güte,“ rief Frau Annettchen, „was ist denn das für ein Popanz!“
Der kleine Kerl blieb mitten in der Stube stehen, er sah sich rund um, schüttelte den Kopf, und wieder flog eine dichte Staubwolke auf. „Hatzi, hatzi!“ nieste er, Frau Annettchen nieste, Liebetraut nieste, und Meister Friedolin kam niesend in die Stube. „Hallo, da ist
das Ding!“ rief er und packte den wunderlichen Gesellen. „Jemine, das sieht ja beinahe wie ein Kasperle aus!“
„Ich bin doch Kasperle!“ sagte der Kleine kläglich. „Wo ist denn die Madame Erdmute und der Meister Ephraim?“
„Was schwätzt du da?“ Meister Friedolin schlug sich plötzlich mit der Hand vor die Stirn. „Das waren ja meine Urgroßeltern. Heiliger Bimbam, ich glaube gar, das ist das verschwundene Kasperle! Du,“ — er schüttelte den Kleinen, daß der Staub nur so herumflog, — „besinne dich mal: wie bist du denn in den Schrank gekommen, und was hast du drin gemacht?“