„Ich hab’ doch geschlafen!“ Der Kleine gähnte laut. Und auf einmal fing es in ihm an ganz erschrecklich zu knurren; das rumpelte und pumpelte wie die Wackersteine im Magen des schlimmen Wolfes. „Oh, oh, oh,“ jammerte er, „ich hab’ solchen Hunger, ach, so schrecklichen Hunger.“
„Um Himmels willen,“ schrie Frau Annettchen, „der stirbt ja noch vor Hunger! Wer weiß, wie lange der nichts gegessen hat!“
„Kann sein bald hundert Jahre,“ murmelte Meister Friedolin. „Nu, nu, das ist doch nicht möglich, daß der so lange im Schranke gesteckt hat!“
„Hunger, au, au, ich hab’ so schrecklichen Hunger!“ schrie der kleine Gast, und da rannten Mutter Annettchen und Liebetraut erschrocken in die Küche und brachten herbei, was nur da war. Brot, Wurst, Butter, Milch,
und alles stopfte der wunderliche Geselle in seinen großen Mund. Er schluckte und schluckte, wurde zusehends dicker, bis er endlich beide Backen aufblies und sehr vergnügt rief: „Ich kann nicht mehr!“
„Na, das ist ein Glück!“ sagte Meister Friedolin. „So eine Esserei hab’ ich mein Lebtag nicht gesehen. Aber nun sag mir mal, du —“
„Kasperle heiß ich,“ rief der Kleine.
„Also gut, du Kasperle, wie bist du in den Schrank gekommen?“
Kasperle riß seine Augen weit auf, den Mund dazu, dann seufzte er, schüttelte sich wieder und murmelte: „Ich weiß nicht.“
„Aber besinn dich doch,“ mahnte der Meister, „du mußt es doch wissen!“