„Mein Bein ist doch kein Schatz,“ klagte die Kleine, denn der Bube hatte kräftig zugefaßt.
Den andern kam die Sache jetzt spaßhaft vor, sie kicherten laut und leise und auf einmal war alle Furcht wie weggeblasen. Sie lachten, schwatzten und gruben, machten Pläne, wie sie den Schatz verwenden wollten, als plötzlich langsam und dröhnend die Uhr von St. Marien zu schlagen begann.
„Halb elf ist’s schon,“ murmelte Wendelin, „so schrecklich spät.“ „Ach, ich bin so müde,“ gähnte Severin, ihm war es eingefallen, wie behaglich es doch sei im Bett zu liegen und zu schlafen.
„Es raschelt wirklich was,“ quiekte Anne-Marte. Die anderen horchten ängstlich und gespannt. Der Wind fuhr sausend durch die Baumwipfel und der Mond saß wieder hinter der dicken Wolke, sein Licht versilberte nur fein deren Ränder.
Aber durch das Brausen und Sausen kam noch ein anderer Ton, wie ein Ächzen klang es, dann wie ein Schnauben und Stampfen.
Die Mädels zitterten wie Espenlaub, Severin und Wendelin hielten ihre Spaten krampfhaft umfaßt und nur Jörgel wagte zu sprechen: „Es ist nichts, wenn’s windig ist, gibt es oft so komische Töne,“ sagte er, aber seine Stimme schwankte ein wenig.
„Wenn es nur nicht so dunkel wäre,“ klagte Brigittchen, und es klang als zirpte ein verflogenes Vögelchen.
„Es kommt was!“ schrie Wendelin und machte einen Satz, länger als er selbst war.
„Huh!“ brüllte Severin, den ganz unvermutet etwas Ungeheuerliches angerannt hatte.
Ein wildes Zetergeschrei erhob sich, da war ein Gespenst, ein Ungeheuer, irgend etwas Furchtbares. Der Mond, der gerade wie ein rechter Schelm hinter seiner Wolke hervorguckte, ließ das unheimliche, schnaubende Ding im ungewissen Licht riesengroß und grauenerregend erscheinen. Zur Ehre sei’s gesagt, daß die Buben in dieser Not die Mädels nicht im Stich ließen, Jörgel ergriff Brigittchens Hand, Wendelin riß Anne-Marte mit fort, Severin purzelte heulend hinterdrein, und so jagten alle fünf in wilder Hast dem Hause zu.