„Die Kinder müssen vor allen Dingen nach Hause gebracht werden,“ sagte die Meisterin, die in ihrem gütigen Herzen inniges Mitleid mit den kleinen, verunglückten Schatzgräbern empfand.
„’s war unser Esel,“ sagte auf einmal Martin, der Altgeselle, der ein Weilchen das Zimmer verlassen hatte und eben wieder eintrat.
„Was soll denn das heißen, was ist denn nun wieder mit unserem Esel?“ rief der Meister, der seinen Ärger noch nicht überwunden hatte und einen neuen vermutete.
„Das Gespenst war er,“ erwiderte Martin trocken.
„Unser Grauchen war — das Gespenst?“ schrie Severin und riß den Mund weit wie eine Schublade auf.
„Unsern Esel habt ihr für ein Gespenst angesehen, o, ihr Bangbüxen, ihr kleinen, törichten Hasenfüße, ihr,“ rief der Meister, und sein verärgertes Gesicht hellte sich auf; er lachte so herzlich, daß seine Frau, der Geselle und der Lehrjunge mit einstimmten. Anne-Marte, die ohnehin eine rechte Lachtaube war, kicherte ebenfalls, und zuletzt lachten alle aus vollem Halse. Selbst Brigittchen lächelte ein wenig, freilich nicht sehr, ihr war das kleine Herzchen doch recht schwer.
„Komm, ich führe dich selbst heim,“ sagte die Meisterin liebevoll; sie hatte das zarte, liebliche Kind besonders in ihr Herz geschlossen. „Ihr Buben geht jetzt zu Bett, aber wirklich,“ wandte sie sich zu Wendelin und Severin, „und ihr Doktorkinder kommt, ich bringe euch alle miteinander heim, damit ihr endlich zur Ruhe kommt.“ Brigittchen ging mit zaghaften Schritten auf Meister Gutgesell zu, „bitte verzeihen Sie,“ stammelte sie, und es war, als hätte dies Wort die Zungen der anderen Kinder gelöst, bittend umdrängten sie den Meister.
„Na, laßt man,“ sagte der gutmütig, „um die schönen Kuchen und das gute Mehl ist’s freilich schade, aber es soll euch verziehen sein, nur versprecht mir, daß ihr nicht mehr auf den Gedanken kommt, bei Nacht und Nebel auf’s Schatzgraben auszugehen, das ist dummer Schnickschnack.“
Das versprachen die Kinder freilich gern, die Angst lag ihnen noch schwer in den Gliedern und sie waren alle froh, so heil davon gekommen zu sein. „Mit Freund Heine werde ich aber noch ein ernstes Wörtchen reden,“ murmelte Meister Gutgesell, „wehe, wenn der mir noch mal den Kindern solche Narrenpossen vorredet, so ein abergläubisches Geschnack kann ich meiner Seel’ nicht leiden!“
Der Altgesell grinste: „Einer denkt s’ist ein Gespenst und dann ist’s ’n Esel, so geht’s allemal. Schatzgraben, Unsinn, schade um unsern Pflaumenkuchen.“