„Ja, schade drum,“ meinte auch der Meister, „aber nun rasch an die Arbeit, sonst kriegen meine Kunden morgen ob der Gespenstergeschichte keine Semmeln zum Kaffee.“

Die Meisterin brachte die drei Kinder nach Hause; die bekamen an diesem Abend freilich noch manches Scheltwort zu hören und sie waren alle drei herzlich froh, als sie erst im Bett lagen. Die Doktorskinder schliefen bald wie die Murmeltiere, Brigittchen aber lag noch lange mit offenen Augen da, sie dachte nur immer: „Nun wird dem alten Klaus nicht geholfen.“

Es wurde ihm aber doch geholfen, und zwar von niemand anderem als von Brigittchens Vater.

Die Schatzgräbergeschichte blieb nicht verborgen. Der Lehrjunge, der früh die Semmeln austrug, erzählte sie da und dort, und einer erzählte sie dem anderen weiter, und alle Leute lachten darüber. Die fünf Schatzgräber hatten mancherlei Neckereien zu tragen, aber dies focht sie nicht sonderlich an, weil das Ende der Geschichte so gut wurde. Herr Schön hörte, als er am nächsten Tage von seiner Reise zurückkam, auch von der Sache, Brigittchen erzählte ihm selbst alles; er sagte nicht viel dazu, aber er ging an dem Nachmittag noch selbst zu dem Bankdirektor und erbot sich, Bürge zu sein für das verlorene Geld. Den Schwiegersohn der Pantoffelmachersleute, den er nämlich als braven Mann kannte, stellte er in seinem Geschäft an, das verlorene Geld sollte er nach und nach ersetzen; Herr Schön zahlte edelmütig dem Mann etwas mehr Gehalt, so daß es diesem möglich war, mit der Zeit die Summe zusammen zu sparen.

Das war ein Jubeltag in dem runden Stadtturm, als Brigittchen in Begleitung ihrer Freunde selbst die frohe Kunde überbrachte. Da gab es wieder Lachen, Pfeifen und Singen wie sonst und es war, als hätte die Sonne gemerkt was los war; sie schaute strahlend hell wie ein frohes Kind in das Stübchen. „Ich erzähl’ euch morgen die allerschönste Geschichte aus meiner alten Chronik,“ sagte Vater Klaus, „nur heute nicht, heute kann ich’s vor Freude nicht“.

„Ich auch nicht,“ sagte Mutter Paulinchen, sie trieselte dabei ganz in Gedanken ihr Strickzeug auf, und als sie es sah, lachte sie. Die Kinder lachten auch und singend und lachend zogen sie dann hinaus, saßen im warmen Sonnenschein auf der alten Stadtmauer und freuten sich, daß alles so gut geworden war.

Gertrudis.
Eine Geschichte aus alten Zeiten.