Meister Hippels Fensterplatz in der tiefen Nische der dicken Mauer, das war das Schloß, in dem die Prinzessin mit ihren Dienerinnen gefangen saß, und vor dem Schloß sollte sich der Kampf mit dem Zauberer abspielen. Die Zuschauer kamen zur rechten Zeit. Die Spieler steckten derweil hinter einem großen Brett, das Frau Paulinchen an die Kommode angestellt hatte, nur die Prinzessin saß mit ihren Hofdamen im Erker, und als Schneider Langbein mit seiner Frau als erste Zuschauer kamen, da ging das Seufzen und Stöhnen der Gefangenen los, es war zum Steinerweichen. Anne-Marte mußte sich zwar immer wieder umdrehen, sie konnte und konnte das Kichern nicht unterdrücken.
Für die Gäste waren die zwei Stühle an der Türe aufgestellt worden, dem Fenster gerade gegenüber, und die Geschwister Fröhlich kamen auch sehr pünktlich, gleich nach dem Schneidermeister und seiner Frau.
Doktor Fröhlich sah die Helme der Ritter Severin und Wendelin über dem Brett hervorragen. „Die sind aus dem Museum,“ dachte er, „ei, ei, Meister Klaus, sollte das erlaubt sein!“ Er wollte aber das Vergnügen nicht gleich durch einen Tadel stören, darum sagte er nichts.
Brigittchen vergaß ganz ihre Prinzessinnenrolle, und ihre Tante Helene bekam Grüße, Kopfnicken, ja sogar ein Kußhändchen sandte die gefangene Prinzessin aus ihrem Schloß heraus ins Weite.
„Los!“ rief da der Pantoffelmacher mit solcher Donnerstimme, daß die Hofdame Jantge das Schlüsselbund, das Mutter Paulinchen ihr zur Vervollständigung ihres Kostüms gegeben hatte, mit einem lauten Krach auf den Boden warf. Darüber kam Anne-Marte ins Kichern und nur Brigittchen konnte nach Vorschrift: „Ach und Weh“ klagen. Sie tat es auch so jämmerlich, als hätte sie mindestens seit drei Tagen Zahnschmerzen.
Hinter dem Brett, vielmehr aus dem Zauberwald hervor, stürzten jetzt die Ritter Severin und Wendelin. Severin kam das Schwert zwischen die Beine und seinem Bruder rutschte der Helm so jäh über die Nase, daß Meister Hippel zuspringen mußte, um den armen Ritter aus seiner unangenehmen Lage zu befreien.
Inzwischen hatten sich die gefangenen Jungfräulein so in das Klagen gefunden, daß sie immer lauter und jämmerlicher schrieen, und niemand verstand über dem Geschrei den Zauberer Jörgel, der nun auch aus dem Zauberwald angerannt kam und rief:
„Ha, ich seh zwei Ritter gehn,
Die sollen gleich verzaubert stehn!“
„Halt’ doch den Mund und schrei nicht so!“ flüsterte der grimme Zauberer gleich darauf seiner Schwester Anne-Marte zu.