Es war im alten Wächterturm an diesem Morgen just wie in einem Märchen, wo sich einer nur etwas zu wünschen braucht und gleich geht es in Erfüllung. Kaum hatte Frau Paulinchen ihren Wunsch ausgesprochen, so erschien auch schon die Fee, diesmal freilich war es die alte Dorothee. Die brachte eine große Schüssel Pfannkuchen, „selbstgebackene“ sagte sie, dazu eine Flasche Punsch und schöne Grüße von Fräulein Helene.

„Na,“ rief Klaus Hippel vergnügt, „wenn das heute so mit dem Wünschen geht, dann wünsche ich mir auch geschwind irgend etwas ganz Besonderes, etwas so — —“

Klatsch fuhr er da mit seinem roten Pantoffel, an dem er gerade nähte, durch die Fensterscheibe und knax war ein großes Loch darin und der Pantoffel lag draußen auf der Stadtmauer.

Etwas verblüfft schaute der Meister sich um, Dorothee lachte ein bißchen ärgerlich. „Das kommt davon, Gevatter, wenn man so wild herumfuchtelt; ist das eine Art, so mit den Armen rechts und links auszuschlagen, beinahe hätte ich noch eine Kopfnuß dabei gekriegt. Nee, wie kann man nur so alt sein und noch so hitzig! Nun sorgt nur dafür, daß bis zum Nachmittag das Loch im Fenster wieder heil ist, so was kann mein Fräulein nicht vertragen; Löcher in den Fenstern sind wir nicht gewöhnt.“

Damit ging Dorothee hinaus, langsam und gewichtig, so zart wie eine Fee pflegte die gute Alte nicht zu gehen.

Meister Hippel aber beschaute ein bißchen kleinlaut den Schaden, dann ging er zum Glaser und versprach diesem, ihm das nächste Mal seine Pantoffel umsonst zu flicken, wenn er ihm sein Fenster auch umsonst flicken wollte. Das tat der Glaser auch, und als die Gäste am Nachmittag kamen, sah man nichts mehr von dem Loch im Fenster.

Zuerst kamen die Kinder, gleich alle sechs zusammen. Sie kamen, wie Kinder eben meist kommen, mit viel Lachen und Schwatzen, mit viel fröhlicher Lust.

Brigittchen hatte einen weißen Schleier und eine Goldpapierkrone mitgebracht, das war ihr Prinzessinnengewand. Erst hatte Tante Mathilde den Besuch gar nicht erlauben wollen, und da Brigittchen nicht, wie viele andere Kinder, mit Bitten und Schmollen eine Erlaubnis erzwingen konnte, wäre beinahe nichts daraus geworden. Glücklicherweise aber war Fräulein Helene gekommen und Brigittchen zu Liebe hatte diese gesagt, sie würde dann auch zu der Fastnachtsfeier gehen. Fräulein Helene hatte dann auch zwei buntseidene Tücher für die Hofdamen geliehen, und weil Fräulein Helene ging, erlaubte auch Frau Doktor Fabian die Fastnachtsfeier.

Jörgel hatte sich eine alte Maske mitgebracht, die er als Zauberer tragen wollte. Klaus Hippel hatte für die Ritter Severin und Wendelin aus dem Museum zwei Helme und Schwerter geholt. Der gute Alte dachte sich nichts dabei, und die Kinder auch nicht und doch wäre beinahe eine schlimme Geschichte daraus geworden.

Vorläufig waren alle ungemein lustig, selbst das sonst so stille Brigittchen kam gar nicht aus dem Kichern heraus. Und als noch alle von dem Pfannkuchen- und Punschwunder des Morgens erfuhren, da wurde die kleine Turmstube beinahe zu eng für all den fröhlichen Lärm.