Kaum war die Schule aus, da rasten die drei wie besessen heim, um ja nicht die Mädels zu verpassen, die immer etliche Minuten später kamen.

Wendelin und Severin guckten daheim rasch in die Ecke hinter der Haustüre und riefen enttäuscht: „Ja, wo sind sie denn?“ Es waren nicht etwa die Mädels, die sie suchten, sondern Tannenreiser, die ihnen gestern die Butterfrau als Aschermittwochsruten mitgebracht hatte. Überall sahen die Buben hin, nirgends waren die Ruten zu entdecken, bis sie diese schließlich doch in dem Vorraum der Backstube in einem Winkel fanden. Es war aber auch die allerhöchste Zeit, die Marienstraße entlang schwatzte und kicherte das schon, die Mädels kamen aus der Schule.

Der alte Steuerrat Müller, der in der Marienstraße wohnte und stets um diese Zeit am Fenster seine Zigarre rauchte, sagte dann immer halb ärgerlich, halb lachend zu seiner Frau: „Höre nur, die Gänslein sind auf dem Heimmarsch!“

Anne-Marte und Brigittchen gingen, wie sich das für Herzensfreundinnen schickt, Arm in Arm, mit ihnen ging ihre Klassengenossin Christine Hardenberg. Anne-Marte erzählte gerade etwas furchtbar Lustiges, denn Anne-Marte erlebte immer lustige Sachen, über die sie sich selbst halb tot lachen wollte. Die Geschichte fesselte die drei Mädels so, daß weder Brigittchen noch Anne-Marte an die Drohung ihrer Kameraden dachten, als sie in aller Vergnüglichkeit an dem Bäckerhause vorbei gingen.

Da auf einmal, mit dem wilden Geschrei: „Aschermittwoch, Aschermittwoch!“ stürzten Severin, Wendelin und Jörgel hervor und kehrten die Mädels von oben bis unten ab.

Die quiekten, lachten und schrieen, drehten sich wie Kreisel, wehrten sich, andere kamen hinzu, es war ein Tumult und Lärm und das Jauchzen tönte die Marienstraße hinauf und hinab. Plötzlich riefen zwei, drei Stimmchen: „Aber, wie seht ihr denn aus?“

Anne-Marte und Brigittchen trugen weiße Jacken und weiße Mützen, und diese hatten unversehens lauter schwarze Streifen bekommen, aber Jörgel, Wendelin und Severin kehrten immer eifriger, mit immer erneuter Lust und sie kümmerten sich gar nicht um die Rufe: „Hört auf, hört auf!“

Und wer von ihnen gekehrt wurde, bekam schwarze Streifen, aber das sahen sie gar nicht, erst als ein Mädel anfing zu heulen, ließen die Buben nach, und Anne-Marte rief scheltend: „Pfui, wie abscheulich seid ihr, wie könnt ihr uns so schwarz machen!“

Da sahen nun erst die drei Missetäter betroffen, was sie angerichtet hatten, unter der Mädchenschar aber erhob sich so ein gewaltiges Jammern und Klagen, daß die Vorübergehenden stehen blieben und auch Frau Bäckermeister Gutgesell aus dem Laden heraustrat, um zu sehen, was geschehen sei. Sie sah ihre beiden Buben wie ein paar begossene Pudel stehen, vergeblich versuchten die Missetäter nämlich auszureißen, die entrüsteten Mädchen hatten sie umringt und über alles Schreien und Klagen hinweg tönte Anne-Martes Stimme, die dem Bruder und den Freunden eine Strafrede hielt.

„Ich gehe nie wieder mit euch, nie wieder, nie wieder, nein, ich bin euch bitterböse!“ rief die Kleine immer wieder.