„Wer waren die fünf, und warum werden sie Schatzgräber genannt?“ fragte Doktor Fröhlich.

„Die fünf sind dicke Freunde; es sind Nachbarskinder und ihren Namen haben sie von einem dummen Streich, den sie unlängst ausgeführt haben. Ich will dem Herrn gern die Geschichte erzählen, wenn es recht ist.“

Am Abend des Nikolaustages schrieb der Doktor Fröhlich an seine Schwester: „Komm bald zu mir, hier wird es dir gefallen. Komm noch vor Weihnachten, damit wir das erstemal das Fest im eigenen Heim, in unserer neuen Heimat, feiern können!“

Und dann, als das Abendessen abgetragen war, erzählte die alte Dorothee die Geschichte von den fünf Schatzgräbern. Die gefiel dem Doktor Fröhlich so gut, daß er sie gleich in ein Buch schrieb. Dahinein schrieb er im Laufe der Zeit noch manche Geschichte von den Neustädter Kindern, manche, die ihm erzählt wurde, und manche, die er selbst sah und hörte. Auch zwei Märlein kamen dazu und eine Geschichte aus vergangenen Tagen.

Und so stehen denn die Geschichten in diesem Buch, eine nach der anderen, so wie sie der Doktor gehört, sie erlebt und niedergeschrieben hat.

Die fünf Schatzgräber.

In früheren Zeiten, in denen die Städte noch nicht so gewaltig groß wie heutzutage zu sein brauchten um mächtig zu sein, war auch Neustadt eine gar angesehene Stadt im deutschen Reiche gewesen. Wohlstand herrschte, und die Bürger wußten sich gut in mancher Fehde zu verteidigen. Der dreißigjährige Krieg aber, der so vieles in Deutschland vernichtete, zog auch verheerend über Neustadt hin, die Stadt wurde zum Teil zerstört, geplündert, und seitdem gelang es ihr nie wieder, sich zu einstiger Größe emporzuschwingen. In jener Zeit nun, so berichtete die Sage, hätten die Bürger einen großen Schatz vergraben, viel Geld, edle Steine und silberne und goldene Prunkgefäße. Die aber, die den Schatz vergraben hatten, wurden nachher, als die Feinde die Stadt einnahmen, getötet, und darum wußte später niemand mehr, wo eigentlich der Schatz vergraben lag.