Die Bäuerinnen schauten auch wirklich meist freundlich zum Fenster hinaus, neckten auch wohl erst die Kinder ein Weilchen, taten, als verstünden sie den Bittgesang nicht, und brachten dann doch die Fastnachtsgaben herbei. Freilich, Wein gab es nie, das schadete aber auch nichts, die Kinder baten doch immer darum. So allgemach füllten sich die Säcklein, auch der Magen wurde nicht vergessen, und mancher Pfannkuchen bekam erst gar nicht den Sack zu sehen. –
Als die Kinder so eine Stunde herumgezogen waren, sagte Heine Peterle zu Annchen Amsee: „Ob sie wohl kommen?“
Zu gleicher Zeit reckte Schnipfelbauers Fritz seine Nase in die Luft und meinte: „Na, nun könnten die Niederheudorfer bald da sein!“
„Sie kommen vielleicht nicht,“ erwiderte Krämers Trude, „sie haben es vielleicht gemerkt.“
Aber sie kamen doch. Anton Friedlich, der mit Schulzens Jakob immer mal zwischen dem Einsammeln bis zu Muhme Lenelies' Häuschen gelaufen war, von wo aus man den Weg nach Niederheudorf ein Stückchen weit übersehen konnte, rief es zuerst: „Sie kommen!“ Es war, als ob jemand mit einem Stock in einen Ameisenhaufen gestoßen hätte, so kribbelten und krabbelten die Kinder alle durcheinander; eins rief es dem andern zu, und mit einem Male sahen die Dorfbewohner zu ihrem großen Erstaunen, wie von überall her Buben und Mädel kamen und nach des Kohlbauern Hof liefen. Dieser große, stattliche Bauernhof lag etwas über dem Dorf auf einer mäßigen Anhöhe, weiter links davon lag dann der Waldbauern-Hof, wo das Mariandel daheim war.
„Nun möchte ich nur wissen, was die Kinder wollen,“ sagte die Waldbäuerin zur Schulzenfrau, die als erster Gast zu einem Fastnachtskaffee zu ihr gekommen war.
Die Kinder gingen aber nicht zum Kohlbauern hinein, sondern stellten sich alle auf eine Wiese, ein Stück abseits vom Hause. Sie zeigten einander ihre Säckchen, taten ganz ungeheuer wichtig und schienen gar nichts, auch rein gar nichts von dem zu merken, was um sie herum vorging. Dabei entstand nach einem Weilchen ein ziemlicher Lärm. Schwatzend und lachend kamen etwa zwanzig Niederheudorfer Buben und Mädel den Berg heraufgezogen. Die hatten gemeint, es sei doch vielleicht lohnend, dem Kohlbauern einen Besuch abzustatten. Sie schauten nicht links und nicht rechts, sondern zogen schnurstracks auf das Haus zu. Sie gingen immer paarweise, schwenkten ihre Säcklein erwartungsvoll und begannen laut zu singen:
„Wir wünschen dem Bauern einen goldenen Tisch,
Darauf soll stehen ein gebratener Fisch,
Kuchen und Brot und güldener Wein.
Eia, da wollt' ich zu Gaste sein!
Mög' sich die Bäurin bedenken,
Und uns nun auch was schenken!“
„Nä, so ein dummer Vers,“ brummte der dicke Friede, und die andern stimmten ihm eifrig zu: „Sehr dumm, unser Lied ist viel feiner!“
Die Niederheudorfer aber fanden wieder ihr Sprüchlein, das auch schon ihre Väter und Mütter gesungen hatten, wundervoll und warteten sehr gespannt auf den Kuchen des Kohlbauern.