„Nä, seht nur,“ sagte drüben die Waldbäuerin zu ihren Besucherinnen, „so ein alter, unwirscher Kerl! Den Niederheudorfer Kindern läßt er Zuckerbrezeln geben und unsere jagt er weg!“
„Na, der soll mir nur kommen,“ rief die Schulzenfrau empört, „der ist ja eine Schande für das ganze Dorf.“
Das sagten an diesem Nachmittag alle Leute im Dorf. Frau Marthe, des Kohlbauern Haushälterin, sagte es auch, denn der Bauer schimpfte fürchterlich, als er sah, daß von allen guten Zuckerbrezeln kein Krümchen mehr übrig geblieben war, und dazu hatten noch die Niederheudorfer alles bekommen. Nun würden die Oberheudorfer ihn doch weiter geizig schelten und ihn weiter verächtlich anschauen; nicht einmal etwas genützt hatten die teuren Brezeln. Es war zum Davonlaufen! Das dachte Frau Marthe ebenfalls; sie packte flink ihre Sachen und verließ am gleichen Tage das Haus, denn, meinte sie, bei einem Bauern, der den Kindern nicht einmal ihre Fastnachtsgaben gönnt, bleibe ich nicht; also zog sie fort. „Nicht einmal die gute Frau hält es bei ihm aus,“ sagten sie im Dorfe.
Die Niederheudorfer Buben und Mädel zogen singend und vergnügt wieder davon, sie hatten es bei der ganzen Geschichte am besten gehabt, und von den wundervollen Zuckerbrezeln sprachen sie noch lange.
Die Oberheudorfer aber ärgerten sich, sie nahmen sich vor, die Niederheudorfer nie mehr zu necken. „Nie mehr bis zum nächsten Mal,“ sagte Muhme Lenelies, als sie das hörte. Trotz der nach Niederheudorf entführten Zuckerbrezeln aber verlief der Fastnachtstag doch sehr vergnügt. Heine Peterle war ein sehr stolzer König, Annchen Amsee hielt sich für eine Prinzessin, und Schulzens Jakob klirrte mit einem verbogenen Säbel und behauptete, er sei General.
Der dicke Friede aber, der eine Leidenschaft für Kasperlespiele hatte, dachte, er sei in seinem himmelblauen Kittel, den ihm die Großmutter aus einem alten Rock genäht hatte, wirklich ein Kasperle und fing auf einmal an, als alle auf dem Dorfplatz standen, ganz fürchterliche Gesichter zu schneiden, und quiekte wie ein Ferkelchen.
„Der Bube hat sich überessen,“ schrie Muhme Rese, die zusah, erschrocken, und alle Kinder umringten Friede und fragten mitleidig: „Tut dir der Bauch weh?“ – „Tut er sehr weh?“
Friede war so tiefbeleidigt, daß er erst gar nichts sagen konnte, er schnappte ordentlich vor Wut nach Luft. Doch plötzlich erschien seine Mutter, packte ihn am Arm und rief: „Komm, trink Kamillentee, da werden die Leibschmerzen besser.“ Muhme Rese hatte nämlich die Mutter herbeigeholt und ihr von des Buben Krankheit erzählt.