„Na ja,“ brummte Kaspar auf dem Berge und lief hinaus, um nach dem Mittagessen zu sehen. Draußen schüttelte er mit dem Kopfe und sagte: „Nä, das weiß man doch, daß am Mittwoch die Kinder immer bei allem dabei sind und einem in die Quere kommen!“
Davon schienen nun die gelehrten Herren aus der Stadt keine Ahnung zu haben. Sie verzehrten ihr Mittagbrot, auf das sie noch recht lange warten mußten, dann sprachen sie noch mit dem Herrn Lehrer und dem Schulzen. Der Herr Pfarrer war an diesem Tage nicht daheim, und der Herr Lehrer erwartete einen Kollegen, er versprach nachzukommen. Nur der Schulze konnte die Herren begleiten, auch der Wirt kam mit, ein paar Knechte folgten mit Hacken und Grabscheiten, und so zogen alle miteinander in den Kuhberger Wald. Als sie auf der Waldwiese anlangten, blieben die Herren verblüfft stehen; auf dem Steinhügel saßen sämtliche Oberheudorfer Buben und Mädel, saßen da, als müßte es so sein, als wäre dies der einzige Fleck, auf dem sie just diesen Nachmittag sitzen konnten.
„Ach so,“ sagte der Herr mit dem weißen Vollbart, den seine Begleiter immer Herr Geheimrat nannten, „darum bedauerte der Wirt, daß wir an einem Mittwoch gekommen sind. Nun verstehe ich, warum!“
„Ja, das Kindervolk,“ brummte der Schulze, „immer ist es dabei, immer will es zusehen. Na, und wenn unsere Mädel und Buben nicht dabei sind, ist es auch nicht recht.“ Nach dieser Erklärung zog er seine Stirn in finstere Falten und schrie: „Nun marsch runter von da oben!“ Die Kinder gehorchten, nicht sehr geschwind und nicht sehr vergnügt, aber sie taten es doch; dann freilich blieben sie dicht an dem Steinhügel stehen. Sie wurden zwar immer wieder ermahnt, weiter zu gehen, einmal schalt der Herr Geheimrat, ein anderes Mal der Schulze, dann flogen die Buben und Mädel auseinander wie eine Spatzenschar, in die jemand mit einem Blasrohr hineingepustet hat. Fünf Minuten, ach nein, drei, nein, zwei Minuten später standen alle schon wieder dicht am Steinhügel, und bei jedem Stein, der aufgehoben wurde, schrieen sie „Oh!“ und „Ah!“ als sei das etwas ganz Wunderbares.
Leberecht Sperling kam herbei und Hans Rumps. Die beiden schalten auch über das neugierige Kindervolk, aber Heine Peterle sagte patzig: „Wir tun doch nichts, und ein Nachtwächter hat jetzt überhaupt nichts zu sagen, es ist doch Tag!“
Die andern Buben und Mädel gaben ihrem Beifall so laut Ausdruck, daß der Herr Geheimrat und die beiden andern Herren ordentlich erschraken. „Sagt mal, Kinder,“ fragte der Geheimrat, „eßt ihr gern Schokolade, und hat der Krämer welche?“
„Ja,“ schrieen sämtliche Buben und Mädel und lachten, als erwarteten sie, daß die Schokolade gleich vom Himmel herunterpurzeln sollte.
„Na, dann paßt mal auf,“ sagte der Geheimrat, zog sein Portemonnaie hervor und suchte alles Kleingeld zusammen. Seine Begleiter taten es ihm nach, und jedes Kind erhielt einen Groschen. „Dafür dürft ihr gehen und euch Schokolade kaufen.“
„Geht nach Niederheudorf, da gibt es bessere,“ riet der Schulze. Er dachte, Niederheudorf ist weiter, da sind sie nicht so rasch zurück. Die Kinder nickten, und eins, zwei, drei waren sie vom Steinhaufen weg und im Walde verschwunden. Zwei Minuten später aber waren sie alle wieder da.
„Na nu, holt ihr denn keine Schokolade?“ riefen die Herren verdutzt.