Die Königin schrie laut auf: „Wo ist denn meine Schüssel hin?“

„Sie war doch eben da,“ sagte der König betroffen und setzte sich geschwind seine Brille auf. „Hm ja, liebe Frau, wo ist denn die Schüssel?“

Jeder schaute hin, niemand sah sie, denn weil nun der Farnsamen darin lag, war die Schüssel auf einmal unsichtbar geworden.

„Da oben sitzt das Gespenst, es sieht wie ein schmutziger Junge aus!“ quiekte die Prinzessin mitten in alles Verwundern und Erstaunen hinein. Erschrocken sahen alle zum Thronhimmel hinauf, – da oben saß der nun nicht mehr unsichtbare Kaspar und heulte.

„Bist du ein Gespenst?“ rief der König zürnend.

Der Bube heulte nur, er brachte vor Angst kein Wort heraus. „Holt ihn herunter!“ gebot der König, und zwei Diener kletterten geschwind hinauf und brachten den zitternden Kaspar vor den König. Der sah ihn so böse an, daß der Bube dachte: „Nun werde ich gewiß ins Gefängnis geworfen!“ Ach, es war jammervoll, und sein Büchschen lag in der Kompottschüssel, und sehen konnte er es nicht, weil ja die ganze Schüssel unsichtbar war.

„Bist du das Gespenst, das erst gepfiffen und dann geknurrt und jetzt die Kompottschüssel verzaubert hat?“ fragte der König streng. „Und warum siehst du wie ein schmutziger Straßenjunge aus und spukst am hellen Tage in meinem Schloß herum? Gespenster dürfen doch nur in der Nacht erscheinen, und außerdem sehen sie weiß aus!“

„Halten zu Gnaden, mit Äpfeln hat es auch geschmissen,“ sagte der Haushofmeister.

„Ich – ich – bin – ja kein Gespenst, ich – bin ja der Kaspar,“ schluchzte der Bube. In seiner Herzensangst und Verzweiflung begann er die Geschichte von dem Farnsamen zu erzählen.

Als er von dem Geschenk des Wichtelmannes anfing, rief die Königin erstaunt: „Jetzt ist meine Kompottschüssel wieder da!“ Da stand wirklich die Schüssel wieder breit und golden, halb gefüllt mit köstlichen Früchten auf dem Tisch – das Farnsamenbüchslein hatte seine Kraft verloren. Kaspar jammerte laut und erzählte heulend von seiner Wanderung und all seinem Ungemach.