„Hm,“ sagte der König und legte ernsthaft sein Szepter an die Nasenspitze, „eigentlich müßte ich dich jetzt aufhängen, köpfen oder mindestens in das Gefängnis stecken lassen. Du bist ja ein heilloser Bube!“

„Ach bitte, bitte, lieber, guter Herzensvater, tu das nicht,“ flehte die Prinzessin, deren Herzchen voll Mitleid war. „Du hast mir doch das Gespenst zu meinem Geburtstag geschenkt, das gepfiffen und geknurrt hat.“

„Aber mein liebes Kind, das ist doch ein Junge und kein Gespenst,“ sagte der König noch immer sehr ernst.

„Er hat aber doch gepfiffen und geknurrt,“ rief die Prinzessin, und dicke, dicke Tränen flossen über ihre Rosenwangen.

Dem König tat sein Kind leid, und weil nun doch einmal Geburtstag war, sagte er: „Na meinetwegen, entscheide du, was mit dem Buben werden soll.“

„Willst du bei mir bleiben oder nach Hause gehen?“ fragte die holdselige Prinzessin den Kaspar fröhlich.

„Heim,“ schluchzte der, „heim will ich, heim!“

„So lauf,“ rief die Prinzessin und klatschte in die Hände. Da lief der Kaspar wie gejagt zum Schloß hinaus, er fürchtete, sie köpften ihn vielleicht doch noch. Er rannte über die Straßen und Plätze, am Kloster vorbei, bis er draußen im Walde war; da fiel er um vor Müdigkeit und Hunger und schlief bums ein.

Es war eine beschwerliche Wanderung für den Buben. Um ein Stückchen Brot mußte er oftmals lange bitten, nichts bekam er als Brot und Wasser; die Schuhe hatte er sich auch schon durchgelaufen, und seine Füße wurden wund, und ganz krank und elend kam er eines Tages wieder daheim an.

Im Abendsonnenglanz sah er die Heimat vor sich liegen, und sie kam ihm viel, viel schöner vor als die weite Welt da draußen. Weil der Kaspar nun nicht mehr unsichtbar war, erblickten ihn gleich seine Schwestern. Die riefen laut über den Burghof: „Unser Kaspar ist wieder da!“