Aber nichts dergleichen geschah. Breit und stattlich stand das Schulhaus da, von roten Ziegeln erbaut und von einem hübschen Garten umgeben. Schien die Sonne darauf, dann sah das Schulhaus so lustig aus, als lachte es alle faulen Buben und Mädel aus. Der Herr Lehrer war auch immer freudig bei seiner Arbeit, die nicht gerade leicht war, und für schulfreie Tage außerhalb der Ferien war er nicht sehr eingenommen.

Im Juni war es. Die Sonne brannte so heiß, daß es einem schon leicht zu warm werden konnte, und die Oberheudorfer Kinder meinten, es könnte schon gut mal hitzefrei sein, – zumal im Walde die Erdbeeren reif waren. Aber an so etwas dachte der Herr Lehrer jetzt weniger als je, denn in diesen Junitagen wurde der neue Herr Schulrat zur Inspektion erwartet. Da gab es dreimal so viel Hausarbeit als sonst, und wehe dem, der schlecht gelernt hatte. In dieser Zeit verstand der Herr Lehrer keinen Spaß, denn er wollte Ehre einlegen mit seiner Klasse. Und doch guckte die Sonne so vergnügt in die Schulstube hinein, und der Gedanke an die Erdbeeren im Kuhberger Walde saß wie ein kleiner Kobold in den Kinderköpfen.

„Ach, der Herr Schulrat!“ seufzte Heine Peterle, als er eines Morgens seinen Ranzen nahm, um in die Schule zu gehen.

„Wie heißt er denn?“ fragte Muhme Rese.

„Müller,“ brummte Heine Peterle und stapfte davon; er konnte es nämlich nach seinen Erlebnissen in der Stadt nicht leiden, wenn man ihn nach einem Namen fragte.

„Ach, der Herr Schulrat!“ seufzte Anton Friedlich, und Bäckermeisters Mariele heulte ein wenig, weil ihr alles mögliche tausendmal mehr Freude machte als der Schulrat.

„Bim bam, bim bam,“ dröhnte die Schulglocke, und flink liefen alle Faulpelze in das rote Schulhaus, es half ja doch nichts.

In der gleichen Stunde betrat ein hübscher, junger Mann das Dorfwirtshaus und verlangte ein Glas Milch und eine Schnitte Brot. Der Wirt brachte ihm selbst das Verlangte, und der Fremde, der vor dem Hause Platz genommen hatte, begann ein Gespräch. Ob das die Schule wäre, fragte er und deutete auf das Schulgebäude, das rot und lustig hinter grünen Bäumen hervorsah.

Der Wirt, genannt Kaspar auf dem Berg, weil sein Gasthaus einen halben Meter höher als das Nachbarhaus lag, war ein schlauer Mann, und darum kam ihm bei dieser Frage gleich der Gedanke, der Fremde könnte vielleicht der erwartete Schulrat sein.

Schmunzelnd fragte er daher nach dem Namen seines Gastes. „Müller,“ sagte der junge Herr freundlich.