Das muß man sagen, mucksmäuschenstill saßen die Kinder, als der Schulrat eintrat. Der ging auf das Katheder, sah die Buben und Mädel eine Weile vergnügt an und sagte dann: „Liebe Kinder, ich bin überzeugt, daß ihr fleißig seid und eure Pflicht tut!“ Hier wurden einige sehr rot und verlegen, aber der Herr Schulrat schien das gar nicht zu bemerken, sondern fuhr fort: „Ich will euch darum nicht mit einer Prüfung quälen, nein, ihr sollt heute einmal frei haben, weil gar so schönes Wetter ist. Gefällt euch das?“

„Ja!“ brüllten da alle und lachten, daß sich bei manchen der Mund von einem Ohr bis zum andern zog. „Na, dann nehmt eure Bücher und lauft! Ich habe im Walde gesehen, daß die Erdbeeren reif sind, also geht in die Erdbeeren!“

Das ließen sich die Kinder nicht noch einmal sagen, holter, polter wurden die Bücher gepackt, und dann rannten die Kinder alle hinaus wie Hasen, wenn sie den Jäger erblicken.

„Leben Sie recht wohl, Herr Lehrer,“ sagte der Schulrat, „ich komme bald wieder. Ich denke, Ihnen wird ein ruhiger Tag auch mal gut sein,“ und wutsch war der Herr Schulrat draußen.

„Na,“ meinte der Lehrer, „so ein Schulrat ist mir in meinem Leben noch nicht vorgekommen!“

„Mir auch nicht,“ sagte der Schulze.

„Mir auch nicht,“ sagte einige Minuten später der Wirt, als der Schulrat lachend von ihm Abschied nahm und fröhlich singend das Dorf verließ.

Die Buben und Mädel aber sagten gar nichts. Die rannten nur, was sie konnten, um ihre Schulmappen nach Hause zu bringen und sich ein Körbchen oder ein Töpfchen zu holen, und fünf Minuten später zogen die Oberheudorfer Kinder in den Kuhberger Wald in die Erdbeeren. Kein Schulkind blieb daheim. „Der Herr Schulrat hat's befohlen,“ sagten sie, wenn Vater oder Mutter meinten, sie sollten doch lieber bei der Heuernte helfen.

War das ein vergnügter Tag!

Als wären sämtliche Erdbeeren noch in aller Geschwindigkeit gereift, so viele gab es. Es sah an manchen Stellen aus, als hätte Schnipfelbauers Kathrine ihren feuerroten Sonntagsrock auf den Waldboden gelegt, so dicht standen die Beeren beisammen. Aber freilich, es hätte doch noch zehnmal mehr Erdbeeren geben können, die Oberheudorfer Kinder hätten sie doch gepflückt und gegessen. In einen richtigen Oberheudorfer Kindermagen geht nämlich unglaublich viel hinein, gar nicht zu sagen wie viel.