„Ach, es hält schon!“ schrien die Kinder und liefen kreuz und quer, als hätte der Schuster seine Warnung an die alte, krumme Weide am Teichrand gerichtet. Der blaue Friede besonders, der ein guter Schlittschuhläufer war, schoß wie ein Pfeil über das Eis. Der dicke Friede konnte nicht so gut laufen und ärgerte sich weidlich darüber. „Wollen sehen, wer zuerst an der Weide ist,“ schrie da Heine Peterle.
Der blaue Friede fuhr, so schnell er konnte, auf das Ziel los, und keuchend folgte ihm der dicke Friede. „Er darf nicht zuerst kommen,“ dachte der und nahm alle Kraft zusammen. Da hatte der Blaue schon die Weide erreicht, und ritsch – griff auch der Dicke nach den kahlen Zweigen.
In diesem Augenblicke ertönte ein dumpfes Krachen.
„Das Eis bricht!“ schrien die Kinder entsetzt und stoben auseinander wie eine Schar Tauben, auf die ein Habicht stößt.
Ein zweiter Krach ertönte. Schreiend purzelten die Kinder an das Ufer, und im Nu war der Teich wie abgekehrt. Nur der dicke Friede und der blaue Friede waren noch darauf, oder vielmehr sie saßen darin, denn das Eis war gerade dicht an der alten Weide geborsten, und die beiden Buben saßen bis an den Hals in dem eisigen Wasser.
Aber schreien konnten sie noch, und sie schrien gellend um Hilfe, während die andern Kinder wehklagend in das nahe Bauernhaus rannten. Zum Glück waren der alte Bauer und sein Knecht daheim, und sie kamen auch beide eiligst herbei, um die verunglückten Buben zu retten. Es gelang auch, die beiden, die bereits ganz blau gefroren waren, schnell aus dem Wasser zu ziehen. Sie wurden in das Haus getragen. Dort hatte die Bäuerin, als sie von dem Unglück gehört hatte, hurtig einen Topf Fliedertee auf das Feuer gestellt und ein Bett gewärmt. Flink zog sie die Verunglückten aus, und der Bauer und sie rieben die pudelnassen Buben mit einem dicken Tuche so kräftig ab, daß den Taugenichtsen Hören und Sehen verging. Dann wurden die beiden in das Bett gelegt, das breit und groß in der Stube stand und mit feuerroten Sternblumen und himmelblauen Bändern bemalt war. Die Bäuerin gab den beiden Fliedertee zu trinken und deckte ihnen ein ungeheuer dickes Federbett über. „Gelle, das ist gut?“ fragte sie.
Wie zwei Brote in einem Backofen, so lagen die beiden Feinde ganz friedlich nebeneinander in dem warmen Federneste. Nur ihre runden, roten Gesichter, die vor Hitze glühten und glänzten, waren zu sehen.
Rühren konnten sich die Buben nicht, dazu waren sie viel zu dick eingepackt, und wenn einer wirklich eine leise Bewegung machte, dann schrie gleich die alte Bäuerin: „Nä, nä, nich' die gute Wärme rauslassen! Ich behalt' euch hier bis morgen, – gelle, das gefällt euch?“
„Hm!“ brummten alle beide, und der Blaue sah nach rechts und der Dicke nach links.
„Na, ä bißchen plappern könnt ihr schon!“ sagte die Bäuerin gutmütig. „Gelle, 's ist doch gemütlich, so zusammen zu sein?“